Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Article
- Chamberlains "Kriegsaufsätze"
- Date
- 1915-08-01
- Page
- 153 (sequence 2)
- Language
- German
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Chamberlains „Kriegsaufsätze^. 153 groß ist; Deutschland zählt aber zehnmal so viele Juden, und wv sind sie jetzt? Wie weggeputzt von der gewaltigen Erhebung; als „Inden" nicht mehr auffindbar; denn sie tun ihre Pflicht vor dem Feinde oder daheim; inzwischen die englischen Juden, die doch die leibhaftigen Vettern der deutschen Juden sind-, dort alles Schändliche wie toll mitmachen, ihre deutschen Namen in englische umwandeln und in der ihnen fast allein gehörigen Presse an der Spitze des Verleumdungsfeldzug.es gegen die Deutschen marschieren. Erhebt sich eine Nation, so folgt der Jude; er führt sie nicht. Weit tiefer, in den Vorgängen langer Jahrhunderte, sind die Ursachen der Entwicklung zu suchen, die England dahin geführt hat, wo es heute steht." Trotzdem wurde von Ehamberlain in dem in der „Täglichen Rundschau" am 9. Fan. d. I. veröffentlichten Artikel „Grundstimmungen in England und Frankreich" der Haß gegen England auf die Juden zurückgeführt mit den Worten: „Der Verfasser des „Haßliedes gegen England" (Lissauer) kämpft als wackerer Deutscher mit, entstammt aber einem Volke, das — im Gegensatz zum Deutschen — von j e h e r d en haß als Haupteigenschaft großgezogen hat. Der Deutsche ist den Gefühlen Und Erwägungen der Gerechtigkeit und der Billigkeit vielzusehr zugetan, um im alttestamentarischen Hasse sich wohl zu fühlen. Der Engländer ist zu hochmütig) um zu hassen, der Franzose zu leichtfertig." Dieselben widerspruchsvollen Sätze finden sich auch in den im Verlage von F. Brückmann A.--G., München, erschienenen ,.R e u en K r i e g sa uf >s ä tz en" Lhamberlains. Auf der Rückseite des Buches steht die Mitteilung, daß von der ersten! Reihe der „Kriegsaufsätze" eine „S chü tz e n g r a b e n a u s g a b e" vorhanden sn, die zum Preise von 20 Pf., bei Bezug von 100 Exemplaren zu 13 Pf., geliefert wird. Ferner wird kundgegeben, die billige Schützengrabenausgabe werde unfern wackeren Streitern zeigen, „wie einer der gebildetsten Engländer, den wir mit Recht den unfern nennen dürfen, über uns Deutsche, wie er über England Urteilt." Daß denkende deutsche Männer Wert darauf legen sollten, einen Mann den ihren zn nennen, der sein Vaterland beleidigt, können wir nicht glauben. Einem wahren deutschen Vaterlandsfreunde müßte es doch widerwärtig sein, von einem Mann in blendenden Redensarten Deutschlands Lob zu hören, der sein englisches Vaterland herabsetzt und verächtlich von Frankreich spricht, dem er seine Jugenderziehung verdankt. Ans deutschen Juden, deren höchste Ideale Dankbarkeit und Treue sind^» ist dieses Treiben in hohem Grade widerwärtig, seine zeitweise Ablehnung des Antisemitismus gleichgültig, der Einfluß seiner blendenden Beredsamkeit auf leichtempfängliche Gemüter aber bedenklich. Deshalb beklagen wir, daß seine von antisemitischem Geist durchtränkte minderwertige Mafsenware für 13 Pf. verschleudert und an die Front geschickt wird, wo die Kinder und Brüder deutscher Bürger jüdischen Glaubens für das Vaterland bluten und sich dennoch gefallen lassen müssen, daß selbst auf dem Felde der Ehre durch Verleumdungen blöder Judenhaß ausgesät werden darf, - ohne daß der Arheber bedenklichen Zwistes die folgen des „Burgfriedensbruches" zu scheuen hat. Am die Gefahren dieses Friedensbrnches braucht sich freilich der trotz seines Aebertrittes zum deutschen Volke echtem Deutschtum fremd gebliebene Ausländer nicht zu sorgen, aber wahrhaft deutsche Männer werden ihre Bedeutung nicht verkennen. Besonders auch aus diesem Grunde fühlen wir uns verpflichtet, gegen die Verbreitung solcher Schriften Einspruch zu erheben. L. •fc