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Im deutschen Reich · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · p. 152

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Article
Chamberlains "Kriegsaufsätze"
Date
1915-08-01
Page
152 (sequence 1)
Language
German
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152 Im deutschen Reich. Chamberlaius „Kriegsaufsätze"; Es erscheint deutscher Männer» deren schönste Eigenschaften Gesinnungstüchtigkeit und charaktervolle Betätigung sind, unwürdig, daß sie sich von einem Fremdling bavmber belehren lassen, w er und was deutsch oder nicht deutsch ist. Hätte nicht die antisemitische Bewegung manche Kreise angekränkelt, dann würde ein ln England geborener, von Franzosen erzogener Fremdling, der erstzim 30. Lebensjahre der deutschen Sprache mächtig wurde, kaum einen literarischen Einfluß gewonnen haben, der es ihm möglich, macht, seit 16 Jahren wieder und wieder in seinen Schriften den deutschen Bürgern jüdischer! Glaubens, deren Voreltern schon in Deutschland geboren und erzogen waren, und die selbst nicht nur durch Geburt und Sprache, sondern auch durch toittc und Ge-- sinnung echte Deutsche sind, das Anrecht auf ihr deutsches Vaterland abzusprechen. Als einer der lautesten Rufer im Chore der Rassenfanatiker hat der Engländer Houston Stewart C h a m b er la in 'durch sein Blendwerk „ Die Grundlagen d^e s 19. 'Jahrhunderts “ sich nur mit Hilfe eines blühenden Stils, großer Belesenheit und Kühnheit der Behauptungen zur Berühmtheit aufgeschwungen, aber weder in der Rassenfrage, noch in irgendeiner andern wichtigeren Frage mehr geliefert als Dilettantenarbeit, deren bloß oberflächlicher Glanz keine wissenschaftliche Bereicherung bietet. Schon in seinem Vorwort zu den „Grundlagen des 19. Jahrhunderts'' bekennt Chamberlain selbst offen, er bilde sich nicht einen Augenblick ein, seinem Buche komme wissenschaftlicher Wert zu, aber er sprudelt förmlich wissenschaftliche Theorien heraus, die unverkennbar bezwecken, das Gegenteil zu beweisen. Er spricht sich selbst die Tugenden der Wahrheit und des Freimuts zu, erklärt aber anderseits die Gabe der Lüge für wünschenswert und bedauert, sie nicht zu besitzen. So widerspruchsvoll ist Chamberlain in jeder Beziehung. Sein Antisemitismus, der ihm die Wege gebahnt hat, ist ebenso unecht wie jede^Aeußerung, durch die er ihn verleugnet. Er sagt: „Der Jude ist kein Feind germanischer Zivilisation und Kultur, aber uns ewig fremd. Der Jude ist kein allgemeiner S ü n d e n b o ck. Ihn dazu zu machen, ist eine geradezu lächerliche und empörende Reigung." An anderer Stelle sagt er sich förmlich von den Antisemiten los, „den neuesten S p e k u lauten i n Idealismus ". Aber er liefert, und nicht etwa unbewußt, den Gegnern der Juden weiterhin Munition; denn er beklagt, „daß der Germane überall, wohin sein siegender Arm drang, nicht gründlicher vertilgte". Jetzt aber da der Rassenwahn durch den Weltkrieg, in dem hüben und drüben die Rassen bunt gemischt sind, tatsächlich haltlos geworden ist, verleugnet Chamberlain seine früher bewunderte Behauptung, „nicht Erziehung und Umgebung, sondern die im Körperbau sich kundgebende Rasse ist für das intellektuelle, ethische und ästhetische Verhalten des 'Menschen entscheidend". Durch Geburt und Erziehung Engländer, hat er in seinen „ K r i e g s a u f s ä tz e n “ alles Schlechte den Engländern, die ihm doch früher als Germanen galten, ebenso in die Schuhe geschoben, wie er dies früher den Semiten getan hat. Er widmete sein Buch dem Kommandeur eines bayerischen Landwehrregiments, der nach einer uns gewordenen Mitteilung erst vor einigen Jahren zum Christentum übergetreten ist. Vielleicht mit Rücksicht auf diesen Freund knüpfte er an seine Ausfälle gegen die ihm doch als Germanen geltenden Engländer die lapidaren Sätze: „Man werfe nicht den Einfluß der Juden ein, der zwar gerade in der am Ruder befindlichen Regierung Englands besonders

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