Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1915)
- Article
- Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschen
- Date
- 1915-05-01
- Page
- 138 (sequence 3)
- Language
- German
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138 Im deutschen Reich. schristen der christlichen Religion zurückführt. Offenbar deswegen will Dr. Hellwig nicht zugeben, daß nicht auch religiöse Vorschriften des Judentums von einzelnen überspannten Menschen mißverstanden werden könnten. Darin liegt seiner Meinung nach kein Argument gegen die Religion als solche, der er, wie aus dem Kosmosarrikel hervorgehst auch in dieser Hinsicht keine Sonderstellung zuschreiben will. Herrn Dr. Hellwig ist es aber unbekannt, welchen Liefen Abscheu das Judentum seinen Bekennern von frühester Jugend an vordem Blutgenuß eingeimpft hat. Die vieltausendjährige Erziehungsarbeit unserer Religion hat dauernde seelische Hemmungen gegen den Genuß von Blut zu höchster Stärke herangezüchtet. Der Ekel lvor dem Blutgenuß ist bei den Juden ein ererbter tiefer Instinkt geworden. Mag vielleicht in andern weiten Kreisen Mißverständnis von Aussprüchen der Religionsstifter oder von religiösen Vorschriften zu dem Mutaberglauben den Anlaß gegeben und zu -einer fast universalen Erscheinung gemacht haben, bei den Inden konnte er niemals Eingang finden, weil sie durch eine jahrtausendelange erzieherische Warnung vor dem Blutgenuß in dieser Beziehung völlig immun waren. Es gibt, gleichviel welcher religiösen Richtung die Juden angehören, unter den besonders in Frankreich zahlreichen Bluttrinkern nachweislich keine Juden und unter den Deutschen, die bei mancherlei Speisen, wie z. B. Blutwurst oder für das in Oldenburg und Westfalen mehrfach gebackene Blutbrost Blut verwenden, sicher sehr wenige Juden, denn in diesem Falle wirkt ganz auffallend die Tradition noch nachhaltiger als die Religion. Nachdem Dr. Hellwig sich auf Grund ernsthafter Nachforschungen vom 'Ritualmordwahn offen und ehrlich losgesagt hat, wird er hoffentlich, 'wenn auch nur auf dem Wege persönlicher Beobachtungen, zu der Aeberzeugung gelangen, daß wohl auch einmal ein Jude auf der Bahn des Verbrechens zum Mörder werden kann, aber niemals aus Instinkten, die mit dem .Blutaberglauben in irgendeinem Zusammenhang stehen. Briefkasten. Lst P., Berlin. Die „Kreuz-Zeitung" hat die Behauptung, d'Annunzio sei Jude, willkürlich aufgestellt, nachdem sie erfahren hast daß sein richtiger Rame „Rapagnetta" ist, obgleich dieser Name für ihre Behauptung 'eigentlich keinen Anhalt bietet. d'Annunzio ist nachweislich Katholik, ebenso 'wie der Ministerpräsident Sonnino, dem die Antisemiten vuch eine jüdische Abstammung andichten. & G. Berlin. Daß die „Tägliche Rundschau" die Aeußerung des Mitarbeiters der Turiner Zeitung „Stampa" ohne einen abschwächenden Kommentar gebracht hat, ist in der Tat ausfallend. Er sagt von den Deutschen: „In dieser ersten Probe haben sie die ganze Schmiegsamkeit ihrer Natur bewiesen, die in vielen Punkten der hebräischen so ähnlich) ist: immer sind sie be-