Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1915)
- Article
- Polnische Juden
- Date
- 1915-05-01
- Page
- 108 (sequence 8)
- Language
- German
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Im deutschen. Reich. 103 Geschmack und Bildung wird es nicht übers Herz bringen, dieses rührende Vertrauen durch Spott zu belohnen. Es ist ja das große Schicksal des Judentums, seine weltgeschichtliche Eigenheit, immer und immer wieder verkannt zu werden, aber für die Juden Polens ist dieses Los besonders tragisch und schlimm, wenn es seitens der Deutschen geschieht. Denn die Kulturgrenzen decken sich ja keineswegs mit jenen, die die Politik feststellt, und kulturell nehmen die Ostjuden noch heute eine Stellung ein, die auf ihren Ausgangspunkt im Westen weist. Einstmals aus deutschen Gauen vertrieben, halten sie dennoch seit Jahrhunderten still und treu die Wacht im Osten und bilden einen festen Damm gegen das Vorrücken östlicher Ankultnr und östlicher Barbarei. And wenn sie trotz des besten Willens nicht mehr den Druck ertragen können und in alte Welt auswandern, bleib e n sie treue Söhne des deutschen Geistes! Zäh ihre deutsche Sprache bewahrend, schaffen sie der deutschen Zunge in aller Welt die Verständigungsmöglichkeit, bahnen sie dem deutschen Willen, dem deutschen Industrieerzeugnis seinen Weg. Der vertriebene, geschlagene, verspottete polnische Jude übt wahrlich eine edle Rache, indem er zur Stärkung des Deutschtums im Auslande beiträgt, eine Tatsache, die übrigens längst von allen anerkannt wird, die sich naher misc der deutschen Handelspolitik befassen. Der polnischen Juden Leidensweg ist wie ber des Judentums noch Nicht vollendet. Wenn aber dieser Krieg, was wir alle von Herzen hoffen, ihnen etwas mehr Freiheit und BetäLignngsmöglichkeiL gibt, wenn der ans ihnen (astende Druck anfhört, dann wird sich ihr sittliches Niveau zweifellos rasch erhöhen. And nicht nur diese Zuversicht dürfen wir nachdrücklich betonen, ebenso gewist ist auch, daß ihre reichen Kräfte dann für die deutschen Interessen ein Segen sein werden. Wir können und wollen in unserem großen Vlätterwalde nicht jedem oberflächlichen Artikel nachgehen, nicht jede leichtfertig erhobene allgemeine Beschuldigung widerlegen. Aber A u f k lä ru n g w o l l e n wir zu schaffen suchen und hoffen wollen wir, daß künftighin auch für Arteile über das polnische Judentum der auf anderen Gebieten selbstverständliche Satz gilt, daß Kritik sich nun erheben darf aus dem sicheren Aut er grün de dier Sachkenntnis. Lernt uns kennen und ghr werdet uns achten t Ein Mahnwort in ernster Zeit von Dr. Paul Rieger. In der letzten Nummer des „Heimgartens" spricht Peter Rosegger 'über Deutschland und Oesterreich nach dem Friedensschluß: ,,Wie der kommende Friede auch aussehen mag, die Tore zwischen Deutschland und Oesterreich-Angarn, die der Krieg so weit anfgerissen hat. bleiben offen... Mit wärmerem Herzen schaut der Bayer nach Preußen, mit verständnisvollerem Auge der Niederdeutsche in dre Alpen. Mit diesem Sichkennenlernen flauen auch die kirchlichen Gegensätze ab. And in einem gesitteten Volke muß doch endlich die Zeit kommen, da es zu den sozialen und ethischen Anmöglichkeiten gehört, daß einer dem andern sein innerstes Herzeinseigentum, das Verhältnis zu Gott, bestreitet oder besudelt. Vor allem kennen lernen .müssen sich der Reichsdeutsche und der Oesterreicher, und