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Im deutschen Reich · 1915-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1915) · p. 101

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1915)
Article
Polnische Juden
Date
1915-05-01
Page
101 (sequence 1)
Language
German
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Polnische Juden. m Polnische Fuden. Von Dr. Felix Gold mann, Oppeln. Mit geradezu bewundernswerter Geschicklichkeit hat die russische Negierung zu jeder Zeit das eine erreicht: Durch ihre kleinlichen und umständlichen Paßoorschristen, durch den dichten Abschluß der Grenze und die Erschwerung des Verkehrs hat sie den Zustand geschaffen, daß für den Westeuropäer östlich der russischen Grenzpfähle eine neue, .unbekannte Welt begann, und vorn Leben und Treiben der vielen Völker irn heiligen Nußland erfuhr man bei den großen Massen des Westens durch persönliche Berührung fast nichts. And nun ist plötzlich darin «ein Wandel eingetreten! Die verbündeten Heere Haben die Grenzenüberschritten, und hunderttaufende von Deutschen und Oesterreichern sind in dieses Neuland ein gedrungen, dessen Seltsamkeit und Fremdartigkeit fehlem entgehen kann. Eine verwirrende Fülle von neuen Eindrücken nehmen die vielen Tausende von Soldaten, Juden wie Christen, in sich auf, und sie sehen Menschen und Zustände greifbar vor sich, von denen sie bisher allerhöchsteris einmal flüchtig einiges gehört haben. Was sie schauen, ist W i r k l i ch keil und doch nicht Wahrheit! Denn das Bild, das sie empfangen, ist verzerrt. Es ist ungünstig beeinflußt von den vielen traurigen Momenten des Krieges, nicht Nur von der objektiven Kriegslage mit all ihren häßlichen lBegleiterscheinungen, sondern auch von der subjektiven Stimmung derer, die ihre Pflichterfüllung auf diesen so trüben und ungastlichen Kriegsschauplatz geführt hat. Die Eindrücke unserer Krieger spiegeln sich nun natürlich in ihren F e ldp o stbr i e fvn wieder. Solche Mitteilungen in' die Heimat sind freilich selten mit philosophischer Nuhe und aus wissenschaftlichem Erkenntnistriebe perfaßt. Sie enthalten naturgemäß meist nur oberflächliche und flüchtige Betrachtungen; die als Ausdruck persönlicher Stimmung für den Augenblick geschrieben sind und Augenblickswert besitzen, die höchstens in dem kleinen Kreise der Lieben, für die sie bestimmt sind, Bedeutung haben. Der Feldpostbrief aber wird in der Heimat bestaunt und, sobald er ein wenig ausführlich ist, für so wichtig gehalten, daß er zum allermindesteu in 'oer Lokalpresse veröffentlicht wird. Aebrigens leidet auch ein großer Teil der von vornherein für den Druck verfaßten Artikel der Kriegsberichterstatter an demselben Aebel, daß sie nämlich von historisch nngefchnlten Männern unter der Last alteingewurzelter Vorurteile und augenblicklicher Stimmungen und Verstimmungen geschrieben sind. Es ist nun bei dem Charakter des Landes ganz natürlich, daß in diesen Briefen der Jude und wieder der Jude die größte Nolle spielt, und zu besonders freundlichen Betrachtungen führt der flüchtige Eindruck weniger Tage unter so ungünstigen. Nebennmständen nie. So wird die Geschichte der polnischen Inden, welche an Leid schon reich genug ist, auf diese Weise um ein neues Anglücksblatt vermehrt. Durch die deutsche Presse g »e h t häufig eine durchaus u n g e - rechte und tieblofc; weil oberflächlich e und falsche Beurteilung ihres E h a r a 11 e r § u n d i h r e r Sitten. Wie Irrlichter tauchen so bald hier, bald da mehr oder minder geistreiche Artikel über die polnischen Juden auf, und fast stets weisen sie dieselben. 'Grundzüge auf. Je nach ihrer geistigen Veranlagung, ihren Sonderliebhabereien und ihrem Temperament regen sich die Verfasser in wortreicher Entrüstung über die jüdische Bevölkerung auf oder sie ergießen die Fülle eines billigen

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