Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Article
- Der alldeutsche "Volkserzieher"
- Date
- 1915-03-01
- Page
- 92 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316851-2316853-2349580--25377-2349690- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
92 Fm deutschen Reich, Was soll man von einem Blatte halten, das auf der einen Seite das mit dem Brustton der Äeberzeugung gelobt, gelobt und wieder gelobt, und auf . der andern Seite das Gegenteil 'von dem tut, was es gelobt?! Glaubt Herr Schwaner sich auf diese Weise den „Tageszeitungen im Jerusalemer- Viertel^ als leuchtendes Beispiel gegenüberstellen zu können? Das ist die Wahrung, die dieser Schulmann nicht nur deutschen Männern, nein, auch deutschen Knaben vorsetzt — als Volkserzieher. & Vermischtes. — Bejahrte jüdische Freiwillige. Im Oktoberheft des vorigen Jahrgangs wurde berichtet, daß der 63 Jahre alte Aachener Bürger, Ludwig Stern, der im Kriege 1870/71 zum Leutnant befördert wurde, wieder in das Heer eingetreten und in das in Landau garnisonierende 18. bayerische Infanterie-Regiment eingereiht worden sei. Leider war der schon an der Schwelle des Greisenalters Angelangte den militärischen Anstrengungen doch nicht mehr gewachsen; er erlag ihnen im Lazarett zu Landau. 'Nicht auf dem Schlachtfelde ließ er das Leben, aber er hatte doch seine vaterländische Gesinnung mit dem Tode besiegelt. Nach dem von dem Rabbiner Or. Iaulus dem toten Freunde gewidmeten rührenden Abschiedsgruß ertönten drei Gewehrsalven zu Ehren des greisen Kriegsfreiwilligen, der 1871 gekämpft hatte, und 43 Jahre später für' das Vaterland starb. K — (Ein bedauerlicher Mißgriff. Am 14. Dezember v. I. be-s yauptete bei Erteilung des Geschichtsunterrichts in der Obersekunda des Friedrichs-Gymnasiums iu Freiburg i. B. der Lehramtskandidat B., es sei dem Handelsgeist der Karthager zuznschreiben, daß sie im Panischen Kriege Hannibal die weitere Unterstützung versagt hatten. Dann sollte er nicht nur hinzugefügt Haben, diesen Handelsgeist bemerke man heute noch an den Juden, sondern daran auch Behauptungen geknüpft haben, die geeignet waren, die Juden zu verdächtigen und herabzusetzen. Ansere Freiburger Ortsgruppe sah sich dadurch veranlaßt, an das Großherzoglich, badische Ministerium des Kultus und Anterrichts die Bitte zu richten, über den Vorfall Erhebungen anstellen zu lassen und nach Richtigbefund der Angaben den Beamten zur Rechenschaft zu ziehen. In dem am 4. Februar d. I. dem Ortsgruppen-Vorstand erteilten ministeriellen Bescheide wurde zwar geäußert, bei der Wiedergabe der wirklich gefallenen Worte des Herrn V. dürften diese mißverstanden und aufgebauscht worden sein, aber doch wörtlich erklärt: „Wir sindaber gleichwohl der Ansicht, daß die ganze Erörterung ein bedauere licher Mißgriff gewesen ist, und haben deshalb dem Lehramts- Praktikanten B. unsere Mißbilligung und Verwarnung für die Zukunft ausgesprochen." Herr B. ist nicht mehr in Freiburg, sondern in einer andern badischen Stadt tätig.