Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Article
- Der alldeutsche "Volkserzieher"
- Date
- 1915-03-01
- Page
- 91 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 91 mit der AntisemiLenp resse zu verwahren. Er ist aber Xelber in den Ton verfallen» der jener eigen ist. Gerade» weil er nicht nur Leser besitzt» denen solche geistige Nahrung mmtb-et, sondern auch solche» die in der Iudenfrage noch nicht von. Vorurteilen bedangen sind, könnte sein „Volkserzieher" bedenklicheren Einfluß ausüben als radikal-antisemitische Organe. Zum Gluck wird dies wahr^ scheinlich dadurch verhindert, daß bei dem Bestreben» es allen recht zu machen, man es gewöhnlich keinem recht macht. Von dieser widerspruchsvollen Haltung des Volkserziehers geben wir hier nur eine Probe» die zwei Artikeln derselben Nr. 25 des vorigen Jahrgangs entnommen ist: Volkserzeeher-Gelüböe. Wir geloben Mann für Mann und Weib für Weib» die wir uns dem deutschen Volkserziehergedanken verschworen haben, nicht zn ruhen noch zu rasten» bis dieser Krieg» der Nimmersatte, neben dem äußeren:! größeren Deutschland uns auch das innerereinere» st ä r - t c r e und wahre D e u t s ch - land gebracht hat. Wir geloben, täglich mindestens einem Menschen etwas Gutes und Liebes zu -erweisen. Wir geloben» im engeren Kreise und auch in der breitesten Öffentlichkeit jeder Angehörigkeit und Rücksichtslosigkeit ernst und bestimmt eutgegenzutreten. Wir geloben» daß uns» im Gegensatz zu den Alten» der F r em dl i n g unb G aft tu den Toren „heilig" sein und bleiben soll. Erst recht» wenn er unser Feind ist. Wir geloben» jede ehrliche A e b e r z e u g u n g und A n s i ch t ü der G o t t u n b Religio n 3 u a ch t c n. Sei Katholik, Protestant oder Freireligiöser» sei Germane» Jude oder Parse: im Letzten — wenn du Gott fürchtest» den Nächsten liebst» wahrhaftiger Mensch unter Menschen bist — sollst du mir willkommen sein. In Zukunft darf's nur noch eilt Heiliges auf Erden geben: das deutsche Vaterland» nur e i n a u s e r w ä h l t e s Volk: das deutsche Volk. Ansere hündischdemütige Bescheidenheit hat uns in aller Welt verachtet gemacht. . . . Aber jetzt soll's endlich j anders werden..»! Vergebt es nie! In Berlin» im Jerusalemer Viertel, kommen noch heute große Tageszeitungen heraus» die oberflächlich schwarz-weiß-rot angepinselt sind» aber unter dieser Deckfarbe sranzösrsch - englischen! Allerweltsgeist behielten... Sie verlangten zur Zeit der Kathedralen-Hatz gegen uns allen Ernstes vor der Beschießung Anhörung eines Sachoerständigen- Ratcs» damit möglichst geschont werden könne. Wenn nur früher die Ritter des Berliner IerusalemvierLels etwas pietätvoller gegen den deutschen Glauben und das deutsche Volk gewesen wären! Ausgerechnet diese Blätter mit der. westlichen Trikolore auf der orientalische n Stirn tun heute» als schlügen sie allein mit ihren Mannen den Krieg» als besorgten sie allein die m it v i el Geschrei hinausposaun- 1 ttn Liebesgaben! Nachher werden sie wieder genau wie früher den preußischen Militarismus in aller Welt verspotten nub verhöhnen» um so eher und schärfer, je länger es dauert, bis irgendein D r e i f u. s Kriegsm i n i st e r oder irgendein S t a h l - L i l i e n th al Kultus m i n i st e r wird. V er g eßt es nie» daß gerade diese Preßsorte den Krieg von 1914 'mitverschuldet durch die Zubern- und Krupp Hetze! V e r g eßt es nie, Soldaten i m Fel d e und^ Bürger zn Hause! Eure heiligste Sorge sei: Stuben und Kammern rein von fremdem A n g e 3, i e f e r!