Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1915-03-01 · Heft 3-4 (März 1915) · p. 84

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 3-4 (März 1915)
Article
Ein deutsch-amerikanischer Jude
Date
1915-03-01
Page
84 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316851-2316853-2349562--25337-2349682
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Im deutschen Reich. Sin deutsch-amerikanischer Fude. Von dem hochverdienten Philanthropen Jacob H. Schiffs der als Teilhaber der Rew-Porker Bankfirma Kuhn, Loeb & Co. in der Großfiuanzwelt hohes Ansehen genießt) sirrd selbst in liberalen Blättern in der jüngsten Zeit Dinge behauptet worden, die als eine Verunglimpfung eines Ehrenmannes zurückgewiesen werden müssen. Am 22. Aovember v. I. hatte die Rew-Porker „Timest über ein „Interview" berichtet, das Schiff einem amerikanischen Journalisten gewährte, der seine Meinung über die etwaigen Folgen des jetzigen Weltkrieges hören wollte. Wer nicht nur aus dem Zusammenhang gerissene einzelne Satze des Berichtes liest, wird sich' überzeugen, daß der für sein deutsches Heimatland die größten Sympathien bekundende Jacob H. Schiff nichts gesagt hat, was einem seit langen Fahren in Amerika lebenden deutschen Friedensfreund zum Vorwurf gereichen und als eine ungünstige Aeußerung über Deutschland angesehen werden könnte. Trotzdem er für seine zweite Heimat das wärmste Interesse hegt, hat er nicht nur in dem Gespräch mit dem amerikanischen Journalisten, sondern auch sonst häufig genug durch die Tat gezeigt, daß er nach wie vor auf deutscher Seite steht. Dafür bürgt besonders die bereits vor zwei M o n a t e n erfolgte A i e d e r l e g u n g seiner Mitglied-- s ch afi in der Iap an-G e s ell schaft~, einer Organisation von Amerikanern und Japanern, die freundliche Beziehungen zwischen beiden Ländern pflegen wollte. Schiff hat seinerzeit öffentlich erklärt, er halte Rußland (das Land der Pogrome) für den Feind der ganzen Menschheit, und er betrachte ein Llebereinkommen zwischen Rußland, Japan und England zur Riederhaltung Chinas als die größte Gefahr der Welt. Vorher hatte sein Bankhaus zur Zeit des Russisch-Japanischen Krieges eine Millionenanleihe für Japan in Amerika herausgeö rächt und Japan in den Stand gesetzt, Rußland erfolgreich zu bekämpfen. Weit mächtigere Faktoren als Schiff haben sich auch über den japanischen Staat getäuscht, der nun Seite an Seite mit Rußland kämpft. Schiff hat aber aus dieser betrübenden Tatsache unverzüglich die Konsequenzen gezogen — als Deutscher n n b als A m e r i k a n c r!' Dieser Tat entsprechen auch folgende Worte, die Jacob H. Schiff zu dem amerikanischen Journalisten gesagt hat: „Ich bin in jeder Fiber Amerikaner und hege jedes Interesse für meine Adoptiv« heimat, kann aber nicht einverstanden sein mit den Ansichten, die ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung über den Ursprung des bedauerlichen europäischen Konfliktes und darüber hegt, wer für diesen. verantwortlich ist. Aus manchen Gründen sind meine persönlichen Sympathien bei Deutschland. Ich kann nicht glauben, daß es der Angreifer war, sondern glaube, daß ihm der Krieg aufgezwungen wurde. Ich kann nur glauben, daß man auf die int* vorhergesehene friedliche Entwicklung Deutschlands eifersüchtig und neidisch geworden war und den Augenblick für günstig hielt, sich durch ein Bündnis dagegen aufzulehnen. Obgleich ich Deutschland schon vor nahezu einem halben Jahrhundert verlassen habe, kann ich selbst so wenig daran denken, mich von ihm loszusagen, als ich mich von meinen Eltern lossagen würde." Schiff hat im weiteren Verlauf seiner Auseinandersetzungen, die sich mehrfach gegen etwaige kriegerische Antcrnehmungen Amerikas und Aufbürdung militärischer Lasten richteten, ein außerordentliches Vertrauen auf den schließlichen Erfolg der deutschen Waffen bekundet. Was Schiff daneben unter dem Einfluß der in den Vereinigten Staaten vielfach herrschenden Angst vor allzu großen kriegerischen Erfolgen Deutschlands über etwaige Folgen eines, vollständigen Zusammen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.