Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Article
- Die Spionage-Beschuldigung
- Date
- 1915-03-01
- Page
- 83 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Spionage-Beschuldigung. 83 Landeszeitung" *) zurückzuführen sei. Die Eingabe schloß mit der Bitte, zu veranlassen, daß künftig die Eingabe der Zugehörigkeit zuin Judentum in allen solchen Fällen 'unterbleibe, wenn sie nicht durch besonders charakteristische Verhältnisse geboten sei. Da auf diese Eingabe vom 20. Oktober 191^ zunächst kein Bescheid erfolgte, wurde ein solcher am 8. Januar 191-5 nori Seiner Exzellenz mit dem Hinweis erbeten, daß inzwischen wieder einige Spionen-Nolizen erwüeneu seien, von Denen einige hier mit» geteilt werden sollen. Im „Cölner Tageblatt" war z. V. am 5. November die Bekanntmachung eines Etappen ko mma ndanten in Elsaß-Lothringen erschienen. wonach holländische Inder: dort Hold eirrgewechselt haben sollten. Bus eine von uns nach Amsterdam gerichtete Anfrage erhielten wir von glaubwürdiger Seite die Neckt eil urig, daß derartige Behauptungen total erfunden seien. wie unserer Ortsgruppe Cölu von Herrn Lindrat Jos. Minien abgegebenen Erklärungen machten weitere Schritte überflüssig. — Anders verhielt es sich mit einer Veröffentlichung des Landrats in Hamm vom 26. November v. I., die sich gegen angeblich jüdische Kaufleute, Agenten und Frauen richtete. Danach sollten diese massenh st Woltfachen im Interesse feindlicher Staaten aufgekauft h.-beu. Aus unsere deshalb an den Regierungs- Präsidenten in Arnsberg gerichtete Beschwerde erhielten wir am 23. Dezember den Bescheid, es sei nur ein einzelner Wann namens Levy ermittelt worden, der in auffälliger Weise Wolle gekauft habe. Aber eine Herabsetzung des Bel igio usbeken ntnisses habe dem Landrat in Hamm bei der Abfassung der Veröffentlichung durchaus fern gelegen. — Am 13. Dezember v. I. stand in dem' „Hannoverschen Anzeiger" ein Steckbrief zur Verfolgung eines entsprungenen Spions mit dem Zusatz: „Er hat jüdisches Aussehen." Line in der „Vossischen Zeitung" vom 12. Januar wiedergegebene Notiz des „Östpreußischen Tageblatts" enthielt die Meldung, die Hökerin A u g u st e K a m s ch a t sei wegen Kriegsverrals von dem Kriegsgericht der Landwehr-Inspektion Insterburg zum Tode verurteilt worden. In diesem Fall war die Konfessiou der Delinquentin nicht angegeben. Am 9. Februar d. I. traf bei dem. Eentralverein nachstehender Bescheid des Herrn Ilnterstaatssekretärs Wahn schaffe ein: „Dem Eentralvereiu deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens teile ich auftragsgemäß ergebenst mit, daß die von dem Centralverein an den Herrn Reichskanzler gerichtete Eingabe vom 8. Januar d. I., ebenso wie die vorangegaugene vom 28. Oktober v. I. von hier aus zur Kenntnis der zuständigen Zentralstellen im Reiche und in Preußen gebracht worden ist." Das Kapitel der „Spionage-Verdächtigung der Juden" erinnert nur zu lebhaft an das Dichterwori: „Was sich nie und nirgend hat begeben, das allein veraltet nie!" *) In der „Waldeckschen Landeszeitung" hatte der Kreisamtm-ann eine Warnung veröffentlicht, in der gesagt war: „Auch sind zahlreiche holländische jüdische Händler, die im Dienste eines Spionage-Bureaus in Rotterdam stehen, zu erwarten."