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Im deutschen Reich · 1915-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1915) · p. 36

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1915)
Article
Beileidsschreiben / Schreiber
Date
1915-01-01
Page
36 (sequence 2)
Language
German
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36 Im deutschen Reich. und Ihr Sohn wurden fast gleichzeitig von Kugeln getroffen. Die Kameraden betteten Ihren Sohn noch in einen Graben, aber er verschied schnell und leicht. Er ist den Heldentod fürs Vaterlund gestorben. In besonders treuer und mutiger Pflichterfüllung hat er sein Leben eingesetzt und geopfert. Das wird Ihnen ein Trost Ihrer Trauer sein. Darüber hinaus möge Gott Sie trösten, dessen Willen wir uns alle in kindlichem Vertrauen beugen müssen. Anser Schwadronschef Graf Dohna ist mit anderen Schützen noch vorn. Was die nächsten Tage bringen werden, weiß niemand. Ich benutze daher eine ruhige Stunde des Totensonntags für diesen Brief. Wenn wir den Sieg endlich erfochten haben und mit des Vaterlandes Größe ein dauernder Friede gesichert ich, dann denken Sie in allem Schmerz und aller Trauer daran, daß Sie mehr dazu getan und gegeben, als die meisten anderen. In herzlichem Mitgefühl drücke ich Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin die Hand. Ihr ergebenster Heinrich Freiherr von Sägern, Oberleutnant der Reserve des Garde-Kürassier-Regts., Landrat des Kreises Melsungen. Westend-Berlin, den 12. November 1914. Sehr geehrter Herr! Eben lese ich in der Zeitung die Nachricht vom Heldentod Ihres Sohnes. Sie werden es mir nicht als Aufdringlichkeit auslegen, wenn ich, der ich nicht die Ehre habe, Ihnen persönlich bekannt zu sein, Sie bitte, an Ihrer Trauer teilnehmen zu dürfen. Ich verliere an Ihrem tapferen Harry James meinen liebsten Schüler, ich darf sagen, den einzigen, der mich ganz verstand'. Seine wissenschaftlichen Leistungen, von denen mir namentlich ein ganz prachtvolles Referat über die Kunstanschauungen des jungen Goethe in lebendigster Erinnerung ist, ließen mich und alle meine Kollegen mit dem größten Erwarten auf seine weitere Entwicklung schauen. Nun ist ja alles zu nichte geworden, und er hat in edlem, ritterlichen Opfermut sein höchstes Gut dem Vaterlands geschenkt — unter all den Tausenden eins der kostbarsten, die auf diesem heiligen Altar dargebracht werden! — Im Frühling dieses Jahres durfte ich ihm auch er Ecke der großen Louvre-Fassade zum letztenmal die Hand reichen und höre noch, wie er mit seinem fröhlichen Lachen über irgendein Scherzwort quittierte — wer ahnte es damals, daß es ein Abschied für immer sein sollte. In dem ungeheuren Sturm, der in erlösten Tagen an den Grundlagen der Menschheit rüttelt, verstummt die Klage um den einzelnen — die Tage der Trauer werden erst anheben, wenn alles vorbei und die Grundlagen für eine neue, glünlichere und größere Zukunft unseres Vaterlandes geschaffen worden sind. Dann wollen wir in inniger unauslöschlicher Dankbarkeit all derer gedenken, die an dem großen Werke mitgeschaffen haben, und einen jeden glücklich preisen, ' der vom Schicksal zum Mitarbeiter an Deutschlands Größe berufen war. Dann wird das Bild unseres jungen Helden uns heller strahlen denn je und uns allen voranleuchten in rurvergeßlicher Fugend, Kraft und Ritterlichkeit. Bis dahin verleihen uns die Götter ihren 'Schutz, um nicht zu versinken unter der Last des jetzt kaum Faßbaren, Unbezwingbaren. In innigster Mittraner Ihr ganz ergebener Professor Br. E d m u n d Hildebran d t, Privatdozent an der A-niversität.

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