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Im deutschen Reich · 1915-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1915) · p. 30

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1915)
Article
Der Herr der Heerscharen
Date
1915-01-01
Page
30 (sequence 3)
Language
German
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36 Fm deutschen Reichs Gott des Alten Testaments, begriffen, der da ist der Allmächtige, der Ewige, der Gott des Lebens, des Lebens, von dem' auch Tod und Verderben nur neue Formen und Erscheinungen sind, der Gott, dessen Weisheit und Gerechtigkeit weit über unserem beschränkten Verstehen sind. Aber der Krieg lehrt ihn wenigstens ahnen und seine Allgewalt fürchtend anderen. Der Krieg ist der beste Religionslehrer, weil nichts so wie er die Selbstsucht bändigt und beschämt, das Geschick des einzelnen verschlingt, unwiderstehlich in die große Schar der Kämpfenden und Leidenden einreiht und im Sturmeswehen dahinreißt und emporträgt; der Krieg, der so viel Großes, Göttliches und Verehrungswürdiges aus den Herzen heraufkehrt, der die Menschen lehrt, daß das Leben nicht, geschweige denn Hab' und Vermögen, der Güter höchstes ist, der verzichten, opfern, sterben und allezeit bereit sein lehrt. Darum muß jeder, der es noch nicht war, gottgläubig werden, so er diese schreckliche, diese große Zeit, sich selbst vergessend, mitlebt. Er schaut den Tag, dem die Propheten, diese freudigsten Bekenner Gottes, begeistert als dem Vorläufer des messmnijschen Reich es zujauchzen: den Tag des Herrn der Heerscharen, der da kommt über alles Hohe und Stolze, über alles Ragende und Niedrige, über die Eichen und Ledern, über die Berge und Hügel, über jeden hohen Turm und jede feste Mauer, über alle Schiffe von Tarsis und die Bauwerke der Kunst,- da die Hoheit des Menschen gebeugt und der Stolz der Leute erniedrigt wird, „und erhaben ist an jenem Tage allein der Herr". Wenn es Ernst wird, wenn es zum erstens Male in die Schlacht geht, wenn der Kanonendonner näher kommt und die Seele auch dem Mutigsten bis in die letzte Wurzel erbebt, dann überkommt ihn ein Ahnen, daß es die aus unergründeten Lebenstiefeu aussteigende Stimme Gottes ist, die dort schicksalsschwer gewittert, daß der ganze Krieg, daß alles. Geschehen eine Stimme, ein brausender Atem des Ewigen, des Allmächtigen, des Herrn der Heerscharen ist. Tausend Bekenntnisse bezeugen es: in den Schützengräben lernt man beten zu dem Lenker der Schlachten. — And doch, so männlich und kriegerisch das Alte Testament ist. sein letztes Wort ist das, das auch unsere heißeste Sehnsucht ausdrückt, dessen Vollgehalt wir jetzt inbrünstiger fühlen als den jeden anderen Wortes aus der Welt — das Wort Friede! Denn nach jenem Tag des Herrn soll „das Ende heb Tage kommen, wo sie ihre Schwerter umschmieden zu Pflugscharen und ihre Lanzen zu Rebmessern, wo nicht mehr Volk wider Volk das Schwert erhebt und sie fürder nicht den Krieg erlernen." Das „Buch der »Kriege Gottes" ist verloren gegangen; geblieben ist das Buch, „dessen Pfade zum Frieden führen". Zuletzt soll die Fahne, die im Kampfe voranzog, die Bnndeslade, „zur Ruhe einkehren". O möchte dann das deutsche Volk nicht vergessen, was es im letzten Grunde war, das es in großer Zeit geeint hat: der Eine Gott und das Wehen seines Geistes, der „oberste Kriegsherr, Ewiger und das Wehen seines Geistes, Der „oberste Kriegsherr, Ewiger ist sein Ra me", derselbe Gott für Juden und Christen. Die Götter der Germanen und Walhallas sind tot, noch toter als die Götter Griechenlands, und keine Kunst der Dichtung und der Töne wird die blassen Schatten wieder beleben; aber was ewig lebt und immer wieder in alten tapferen Herzen und großen Seelen aufersteht, das ist d er He r r d e r H e e r s dy a r e n , d c r G oft des A lten T e st a m e n t s, der durch Rot und Kamps ein edles Volk zu Sieg und Frieden führt.

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