Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1914)
- Article
- Jüdische Feldgeistliche
- Date
- 1914-10-01
- Page
- 398 (sequence 2)
- Language
- German
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398 Im deutschen Reich. Die Feier begann morgens um 1 L>S Ahr und dauerte bis zum Eintritt der Dunkelheit. Die Feldrabbiner predigten zweimal, vor» mittags und abends, und stimmlich begabte Soldaten fungierten als Borbeter. Die meisten Besucher der Gotteshäuser fasteten und hielten bis zum Schluß der -Andacht ans. Dann erhielte^ sie aus eigens zu diesem Zwecke herbeigeschaffLen Feldküchen ein kräftiges Essen und kehrten in der Nacht noch zu ihren Regimentern zurück. Aus vielen Feldpostbriefen, die jüdische Soldaten an ihre Angehörigen in der Heimat schrieben, geht hervor, daß sie niemals einer so ergreifenden Andacht beigewohnt hätten wie an jenem Tage in Frankreich. — Die gegen Rußland kämpfenden israelitischen Krieger waren am 30. September für den ganzen Tag beurlaubt und konnten den Gottesdienst mit ihren Glaubens» genossen in den Grenzstädten Ostpreußens begehen. — Bruderliebe in ernster Zeit» Den „Posener Neuesten Nach» richten" wurde aus dem kleinen Städtchen Murowana-Toslin berichtet: ,pFn der kleinen jüdischen Gemeinde, deren Mittel zur Anstellung eines Rabbiners nicht ausreichten, deren bisheriger Kantor aber unmittelbar vor dem Kriege gestorben war, hatte inan niemand zur Leitung ihres Gottesdienstes in schwerer Kriegs- Zeit. Da nahm sich! der evangelische Pfarrer der Verlassenen an, die betrübt in die Tempelhalle eilten, um ihre Herzenslast zu erleichtern. Er bestieg die Kanzel, kündete mit eindringlichen Worten, entlehnt aus den Propheten des alten Bundes uno oen Psalmen, den Hörern die ernste Zeit, legte die Worte der frommen Gottesmänner aus und senkte Trost und Hoffnung in die Herzen der Gemeinde. Hier fielen die Schranken konfessioneller Einengung, und es brauchte nicht gefragt zu werden: „Wer hieß ihn besteigendes Tempels Stufen und hieß ihn kündigen das Wort von dieser Stelle?" „Der heilige Geist der Zeit war es, der Deutschlands Stämme eint, der rief den Bruder zu den leidenden Brüdern." — And dieser Geist ist auch, in den .Kreisen katholische r Geistcki ch e n mächtig. Dem „Prager Tageblatt" wird folgendes rührende Beispiel für die einigende Kraft der KriegsöLgeisterung mitgeteilt: „Während der Mobilisierung der ausziehenden österreichischen Truppen, unter denen sich, der Zusammensetzung der bukowinischen Bevölkerung entsprechend, viele Juden befanden, ist den Soldaten der Feldsegen durch den päpstlichen Prälaten Josef Schmid. erteilt worden. Nachdem dieser die Soldaten im Namen des Vaters, Los Sohnes und des heiligen Geistes gesegnet hatte, fügte er mit weithin klingender Stimme hinzu: „Kin der I s r a eck s, die Ihr mit dieser Schar hinauszieht, für Euch erflehe ich den Segen eures u nh unseres eine n, einzigen Gotteslu -— Das Rote Kteuj. Da nach dem Beginn des Krieges auch vereinzelte Klagen über Zurückweisungen jüdis ch e r A erzLe u n d K r a n k e n s ch w e st e r n laut wurden, hat bald darauf die L e i - t u n g d e s K r a n k e n w e s e n s im Kriege vom RoLenKre u z ernciit angeordnet, daß bei der Einstellung 'von Hilfskräften eine Anterscheidung zwischen evangelischen, jüdischen und katholischen Freiwilligen nicht gemacht werden darf. Trotzdem wird behauptet, daß das Rote Kreuz, dem eine überaus verantwortungsvolle Aufgabe in