Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1914)
- Article
- Jüdische Feldgeistliche
- Date
- 1914-10-01
- Page
- 397 (sequence 1)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 397 Korrespondenzen. — Jüdische Feldgeistliche. Nach der vom preußischen KriegA» ministerium erlassenen Anordnung sind sechs jüdische Feldprediger zur Armee gegangen, die Herren Rabbiner Dr. Baeck von der Berliner, Dr. Italiener von der Darmstädter Gemeinde, Dr. Emil Levy vom Religionsverein Westen in Eharlottenburg, Dr. Arthur Levy vom Schöneberger Synagogenoerein, Dr. ^W i l d e von der Magdeburger und Dr. Salzberger von der Frankfurter Gemeinde. Die sechs Gemeinden haben die Rabbiner für die Dauer ihrer Tätigkeit als Feldprediger mit vollem Gehalt beurlaubt. Die Militärbehörde gewährt ihnen nicht nur freie Eisenbahnbeförderung und Quartiere, sondern stellt ihnen auch je einen Wagen mit zwei Pferden sowie einen Zweifahrer zur Verfügung. Da die sechs Herren sämtlich reiten können, werden sie in der Lage sein, im Felde die erforderliche seelsorgerische Tätigkeit anszuuben. Sie tragen eine, bis ans besondere Abzeichen, den christlichen Feldgeistlichen ähnliche Kleidung und sind besonders durch die Armbinde kenntlich. Sie nehmen eine große Anzahl der vom Verbände der deutschen Juden im Einvernehmen mit einer Reihe von Gemeinden herausgegebenen F e ld g e b e tb ü ch e r zur - Verteilung an jüdische Militärpersonen mit ins Feld. Herr Rabbiner Dr.. Baeck hat den Inhalt dieses Bändchens Ansammengestellt, 'der auf 29 Seiten in deutscher, aus 22 in hebräischer Sprache Gebete, Psalmen und vaterländische Lieder bietet. Der "Verband hat bereits an alle jüdischen. Feldzngsteilnehmer, deren Truppenteil durch Amfrage festgestellt wurde, je ein Buch mit der Bitte um Angabe weiterer jüdifchier Kameraden versandt, und stellt auch Gemeinden und Rabbinern zur etwaigen Verteilung gewünschte Exemplare zur Verfügung. — Zur Ausübung der jüdischen Seelsorge bei dermo b i l e n bayerischen Armee ist Herr Rabbiner Dr. Vaer - Wald in München und bei der s ä ch s i f chen Armee Herr Dr. R e i n h o l d L e w i n in Leipzig berufen worden. — Wie der Kaiser dem religiösen Bedürfnis seiner im Felde stehenden israelitischen Soldaten anläßlich des h ö ch st e n j ü d, i s ch e n Feiertages, des Versöhnungstages, Rechnung getragen hat, geht aus einem Armeebefehl hervor, der auf Anordnung des Kaisers am 30. September streng ausgesührt wurde. Danach mußten sich sämtliche israelitischen Soldaten, sofern sie sich nicht in der Feuerlinie befanden und daher unabkömmlich waren, unter Führung jüdischer Reserveoffiziere und Offizierstellvertreter bei den einzelnen Brigaden an einem bestimmten Punkt am Morgen des Versöhnungstages einfinden, um dann eine hinter der Front belegene Stadt aufzusuchen. Da in Nordfrankreich nirgends Synagogen vorhanden waren, wurde dort der Gottesdienst für die jüdischen Soldaten der einzelnen Armeekorps in katholischen Kirchen ab gehalten.