Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1914)
- Article
- Die russischen Juden als Pioniere des Deutschtums im Osten
- Date
- 1914-10-01
- Page
- 382 (sequence 2)
- Language
- German
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382 Im deutschen Reich. keine neu hinzugelernte Sprache ist. Er hat diese seine ursprüngliche Heimatssprache in sich konserviert und sie nicht durch die russische Sprache verdrängen lassen. Zwar sind wir geneigt und gewöhnt, uns über den sogenannten „Jargon" lustig zu machen, weil er scheinbar mit unserer deutschen Sprache wenig Klangverwandtschast hat. Aber auf den Ton und den Klang kommt es hier ebenso wenig an wie bei vielen anderen deutschen Dialekten, von denen sich einige für das norddeutsche Ohr geradezu furchtbar anhören. Der „Jargon" ist ja mehr rückständiges wie verdorbenes Deutsch; es ist mittelhochdeutsch. Der Jargon ist das zwar etwas verstümmelte Deutsch des 13., 11. und 13. Jahrhunderts, welches die damals nach Rußland vertriebenen Juden mit sich genommen haben, weil sie es als ihre Muttersprache ansahen. And daß den Juden ihre deutsche Heimat teuer gewesen, geht daraus hervor, daß sie diese deutsche Sprache bis auf den heutigen Tag beibehalten haben, und sie von Kind zu Kindeskind weiterlehren als ihre „Muttersprache". Weil diese deutsche Sprache indessen in Rußland eine Weiterentwicklung nicht durchgemacht hat, so ist sie weiter die alte mittelhochdeutsche Sprache geblieben, während wir neuhochdeutsch sprechen. Muß man da nicht von diesen russischen Juden, hie trotz der grausamen - Verfolgungen in und der Austreibung aus Deutschland, die deutsche Sprache beibehalten haben, als von den Pionieren des Deutschtums im Osten sprechen? Auch wenn sie so ganz anders aussehen wie sie sich unsere Phantasie ausmalen würde, wenn wir sie noch nre gesehen hätten. Gerade diese Juden werden, wo die Deutschen auch hindringen, eine nicht zu unterschätzende Stütze für das Deutschtum sein. Unsere Truppen finden jetzt nach sechshundert Jahren in einem neu eroberten Gebiete Deutsche vor — konservative noch dazu. — Dr. David hatte schon damals, 1908, die Zeit für nicht fern vorausgesagt, wo die Ostjuden uns Deutschen gute Dienste leisten würden. Die Zeit ist nun da. Nicht nur die Polen, vor allem die russischen Juden begrüßen die deutsch-österreichischen Truppen mit Jubel und leisten ihnen große Dienste. .Pionierdienste! §arlernst Donner.