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Im deutschen Reich · 1914-10-01 · Heft 10-12 (Oktober 1914) · p. 381

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 10-12 (Oktober 1914)
Article
Die russischen Juden als Pioniere des Deutschtums im Osten
Date
1914-10-01
Page
381 (sequence 1)
Language
German
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Aie russischen Juden als Pioniere des Deutschtums im Osten. 381 Die russischen Fuden als Pioniere des Deutschtums im Osten. Im Anschluß an die in Nr. 477 des „Berliner Tageblatt" gebrachte Nachricht vom Erscheinen ber ersten Nummer der jüdischen Sarnrnelschrift „Kol M e w a s s e r", die zur Aufklärung der Fuden und durch diese auch der nichtjüdischen Bevölkerung Polens dienen soll, will ich einer interessanten, augenblicklich sehr aktuellen Anterhaltung des verstorbenen früheren Düsseldorfer Rabbiners und Gelehrten, nachmaligen Oberrabbiners von Wien, mit einer hochstehenden deutschen Regierungspersönlichkeit gedenken. Diese Anterhaltung drehte sich um das Thema „Die russischen Juden als Pioniere des Deutschtums im Osten". Dr. David sagte u. a.: Wir Deutsche aller Konfessionen äußern stets ein gewisses Anbehagen, wenn wir einem dieser polnischen Juden begegnen, und sind leicht geneigt, uns über die Sprache, die Kleidung und das ganze Gebaren dieser Menschen lustig zu machen. Jedoch mit Anrecht; denn, berücksichtigt man das Land, in welchem sie wohnen, und stellt man einen Vergleich an zwischen diesen deutschspreHenden Juden und ihren unter gleichen Verhältnissen und Lebensbedingungen am selben Orte wohnenden russischen Landsleuten, so wird man bei objektiver Beurteilung zugeben müssen, daß die Juden bei weitem noch die sympathischeren sind. Die gebildeten Juden, die alle gutes Deutsch sprechen, bilden die russische Intelligenz überhaupt. Von ihnen sei nicht die Rede. Es handelt sich um den besagten sogen, polnischen Juden. In feiner Lebensänschauung und vor allem in seiner Bildung ist er seinem russischen Landsmann (der unter denselben Verhältnissen lebt) weit voraus. Wahrend die russischen Bauern Und Kleinhändler zumeist Analphabeten sind, vermag der russische Jude zumindest die hebräische Sprache gründlich, fast immer die russische, und nicht selten die deutsche Sprache zu schreiben, letztere immer zu sprechen. Seine für westliche Begriffe oft unverständlichen Eigenarten sind nie Entartungen, wie sie bei dem russischen gewöhnlichen Volke zu sehen sind. Der russische Jude ist nüchtern, arbeitsam und bodenständig; er ist sehr intelligent. Spielt dieser Jude in seinen russischen Kreisen die Rolle des Kulturträgers, so hat seine deutsche Sprache, die er nach wie vor mit den Seinigen spricht, für uns Deutsche ihre große Bedeutung, um so mehr, als es

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