Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1914)
- Article
- Germanen oder Deutsche?
- Date
- 1914-10-01
- Page
- 380 (sequence 2)
- Language
- German
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380 Fm deutschen Reich.- fte ist ein Wildling, der, sich selbst überlassen, stets entartet und verdirbt. Aber die Nation ist ein Edelreis, und wie die Religion eine moralische und erarbeitete Größe, die sich darin bewährt, daß sie die Rassen und ihre Mängel überwindet und eine Einheit im Geiste herstellt. Er ist es, der ein Volk zur Nation macht, dieser eine Geist, der sie durchweht und durchglüht, und der jetzt in Deutschland zu so herrlicher Flamme hervorbricht, daß es eine Lust ist, zu dieser Nation zu gehören: der Geist der Ordnung, Zucht, Redlichkeit und Treue, des Heldensinnes und Opfermutes, der gemeinsamen Arbeiten, Sorgen und Kämpfe für die gleichen nationalen Güter, für Heimat und Vaterland, Sprache, Bildung, Sitte, Recht, Verfassung und Wirtschaft. Jeder ist ein Deutscher, der in alle dem lebt, der sich von diesem Geiste ergreifen, tragen und treiben läßt, wes Stammes er immer sei. Nicht die Nasse macht zum Deutschen, sondern der Wille, es zu sein. Es ist ohne Zweifel eine Gefahr, wenn eine Nation so zusammengesetzt ist, daß von verschiedenen Rassen die eine danach trachten kann, die andere zu unterjochen, obgleich eine wahre Nation auch diese Gefahr überwinden kann und muß. Hingegen hat ein Volk es als eine gnädige Fügung zu betrachten, wenn es nicht durchweg einer Rasse ist. Seine Minderheiten anderen Stammes können ihm eine Schule der Gerechtigkeit und wahren Freiheitlichkeit, der echten Menschlichkeit und Vornehmheit sein. Die Behandlung von Minoritäten ist ein untrüglicher Maßstab für die sittliche Kultur der Mehrheit. Eine nur auf die Rasse gestellte Nation ist eine Pflanzstätte der Unduldsamkeit, des Chauvinismus, der Ueberhebung und schließlich der Brutalität und inneren Barbarei, für die sie mit Recht den Untergang verdient. Vor 44 Jahren ward das erste Weihefest des Aufbaues der deutschen Nation gefeiert. Aber es war nur erst das Richtfest des Rohbaues. Möge ein zweiter Siegestag einst als das Weihefest des auch im Innern vollendeten Heiligtums gefeiert werden dürfen, in dem niemand von dem heiligen Dienst ausgeschlossen ist, der den Willen zum Deutschen redlich bekundet. Der höchste Sieg bleibt doch der über sich gelbst. Heil dem Volke, das nicht erst, wie einst Preußen vor mehr als hundert Jahren, des Unglücks bedarf, um sich zu sittlicher Größe zu erheben, das nur obsiegt, um gerecht zu sein, und sich selber krönt und sein Glück sichert, indem es keines seiner Kinder von den idealen Früchten des Sieges ausschließt. „Einigkeit und Recht und F r e ich eit Sind des Glückes Unterpfand, Blüh' im Glanze dieses Glückes, Blühe deutsches Vaterland!"