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Im deutschen Reich · 1914-10-01 · Heft 10-12 (Oktober 1914) · p. 374

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 10-12 (Oktober 1914)
Article
Ludwig Frank, ein deutscher Jude
Date
1914-10-01
Page
374 (sequence 1)
Language
German
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374 Im deutschen Reich. Ludwig Frankein deutscher Fude. Anter den vielen Opfern, die der Krieg bereits gefordert hat, ist der Heldentod des sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Fran k hervorragend betrauert worden, weil man diesem Gefallenen nachrühmen konnte, Freund und Feind hätten erkannt, sein Tod bedeute nicht nur für die von ihm mit großem Geschick und redlichster Gesinnung vertretene politische Partei, nicht nur sür die jüdische Gemeinschaft, die dieses treue Mitglied mit Stolz den ihren nannte, sondern für das gesamte deutsche Vaterland einen herben Verlust. Ludwig Frank hinterläßt eine schwer auszufüllende Lücke. Roch am letzten Pfingstfeste hatte er mit dem Führer der französischen Sozialdemokratie Ianrös bei einer Verständigungskonferenz mit Eifer für den Frieden zu wirken gesucht. Wenige Monate später aber vertrat er im Austrage seiner Partei mit derselben Begeisterung im deutschen Reichstage den Gedanken, daß bei einer Bedrohung des Weltfriedens die Sozialdemokraten äußeren Feinden gegenüber beweisen müßten, daß in der Stunde der Gefahr alle Deutschen zusammenstehen und das Vaterland verteidigen. And daß es ihm damit ernst war, zeigte er, indem er sich beim Beginn des Feldzuges als Freiwilliger meldete, nicht, wie irrtümlich behauptet wurde, „a u f B e f ö r d e r u n g", sondern ohne eine Spur von Ehrgeiz, vielmehr, nach seinen eigenen Worten, „aus innerer Ro tw emd igkei t“, um zu zeigen, „daß es uns mit der Pflicht der Verteidigung ernst ist". Er schrieb nach Mannheim: „Ich habe den sehnlichen Wunsch, den Krieg 31t überleben, und dann am Innenban des Reiches mitzuschassen; aber ich stehe in der Front wie jeder andere, und ich gehe wie alle andern freudig und siegessicher. Das Blut für das Vaterland fließen zu lassen, ist nicht schwer, und umgeben von Romantik und Heldentum." Ein solcher Tod war ihm beschieden, schöner als das Ende des französischen Sozialdemokraten Iaurös, der einem Meuchelmord zum Opfer fiel, auch edler als der Lassalles, des deutschen Sozialdemokraten, dem er körperlich und geistig ähnlich war, der aber nicht sür das Vaterland, sondern in einer Privatangelegenheit sein Leben opferte. Ludwig Frank war der seltene Ruhm beschieden, daß selbst seine politischen Gegner sowohl seinen Leistungen als

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