Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1914)
- Article
- Assimilation
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 319 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Assimilation- 319 Der Mittelpunkt, das charakteristische Kennzeichen des Judentums ist und bleibt — das sei wiederholt — die Religion, und der einzige wirksame Kampf gegen wirkliche Assimilation kann dadurch geführt werden, daß man sie wieder zu einer beherrschenden Leöensmacht werden läßt. Auf welchem Wege solches geschehen kann und soll, das zu erörtern kann nicht Aufgabe an dieser religiös neutralen Stelle sein. Es sei nicht verschwiegen, daß dabei wesentliche Meinungsverschiedenheilen herrschen, und daß auch dort der Begriff und der Vorwurf der Assimilation eine gewisse Rolle spielen. Hier kann allein das Prinzip feftgestellt werden: Bur wer die Religion verleugnet oder wer religiös indifferent ist, ist ein wirklicher Assimilant, der zum Antergang der Gemeinschaft beiträgt. Wer aber bewußt der Religion ihre zentrale Stellung im Judentum wiedergeben will, dem kann der Vorwurf gleichgültig sein; denn ihm gegenüber ist er in jedem Falle durchaus unberechtigt. So ist denn unsere Stellung klar vorgezeichnet. Wir wahren nur die geschichtliche Kontinuität, wenn wir auf der einen Seite die echte jüdische Eigenart, die Religion, schützen und erhalten, auf der anderen aber die restlose Kulturassimilation nicht hindern. Je mehr die Religion eine Lebensmacht wird, desto sorgloser können wir uns der Kulturangleichung hingeben. Deutschtum und Judentum können wir und müssen wir in uns vereinen, und gerade der Jude wird der beste Deutsche sein, wird sich am eifrigsten den Kulturaufgaben seines Vaterlandes widmen können, in dem die wahre jüdische Eigenart am lebendigsten wirkt.