Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1914)
- Article
- Rückblicke
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 302 (sequence 14)
- Language
- German
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302 Im deutschen Reich. erachten. Die Ungeheure Mehrzahl der deutschen Juden weist eine solche Auffassung mit Entrüstung zurück, sieht in ihr eine Gefahr für die Zukunft der deutschen Juden und wird bei aller Achtung vor der persönlichen Ueberzeugung Andersdenkender und vor ihrem ehrlichen Willen der weiteren Verbreitung solcher irrigen und Schaden stiftenden Ideen mit. Nachdruck entgegen treten. V. Und nun ein letztes: Wir haben durch unsere Resolution niemanden verdächtigt. Gerade dadurch, daß wir innerhalb der Zionisten eine Unterscheidung vorgenommen haben, können wir unmöglich alle „denunziert" haben. Daß unsere Unterscheidung richtig gewesen ist, beweist deutlich der Verlaus des letzten zionistischen DelegiertenLages. Auch für die Jüdischnationalen ist das neue zionistische Programm nicht die Feststellung einer vorhandenen Empfindung, sondern eine Tendenz für die Zukunft. Viele, die sich extrem jüdisch-national nennen, können bis heute weder hebräisch sprechen, noch hebräisch übersetzen. Sie streben an, sich nach dieser Richtung hin zu vervollkommnen. Sie wollen also für die Zukunft etwas erwerben, was 'sie zurzeit nicht besitzen. Es' handelt sich also bei dem nationalen Radikalismus nicht um eine Tatsache, sondern um ein Programm. Wiederholt ist schon hervorgehoben worden, daß die Betonung des jüdischen Nationalismus geeignet ist, den Gehalt des Judentums an Ewigkeitswerten zu vernichten, bzw. in den Schatten zu stellen. Die chauvinistische Welle, die jetzt über die ganze Welt zu gehen scheint, wird verfließen. Aus völkischen Interessen werden wieder volkliche werden und nicht nur die Nationaljuden, sondern alle diejenigen, die sich von der Nationalitätenzüchtung alles versprechen, werden aus ihrem Traume erwachen. Nur steht zu befürchten, daß der Sturz der Welle vieles mitreißen wird und daß dadurch manche Ewigkeitswerte des Judentums zwar nicht vernichtet werden — denn das können sie nicht — aber in ihrer Wirksamkeit auf Generationen zum Stillstand gelangen. Wir können in diesem Zusammenhänge nicht aus alle Einzelheiten eingehen, die zu erwähnen sind; sie mögen später einmal vorgebracht werden. Herr vr. Oppenheimer ist 'heute noch Zionist Und von dem Delegiertentag nicht ausgeschlossen worden. Und doch können wir den Standtpunkt unserer Resolution nicht besser vertreten, als wenn wir die Worte ansühren, welche Dr. Oppenheimer in seiner auf dem Leipziger Delegiertentage gehaltenen Rede gebraucht hat: „Ein Mssimilant bin ich nicht, aber ich bin assimiliert. Ich bin Deutscher und bin stolz darauf, Jude zu sein. Stolz aus die Wstammung von siebzig Generationen stolzer Männer." Ludwig Holländer. ch