Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1914)
- Article
- Rückblicke
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 297 (sequence 9)
- Language
- German
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Rückblicke. 297 geben ein Organ „Die Blau-Weiß-Blätter" heraus, dessen Lektüre gerade mit Rücksicht auf die Behauptung, die Wanderbewegung sei nicht nationaljüdisch, von besonderem Interesse ist. Es wird nach einem Berichte der „Jüdischen Rundschau" in den „Blan-Weiß-Blättern" eine Sommerwanderfahrt geschildert und dabei ausgesprochen: „Und unvermittelt begannen wir von unserem Volke zu sprechen, das' heimatlos über die Erde irrt und seine Helden zu vergessen beginnt. Unsere Gedanken aber klammerten sich an das Stückchen Boden fern im Süden, wo uns ein neues Geschlecht heranwächst, dem die Zukunft gehört. Und freudig grüßten wir Re Flammenzeichen (es war am Vorabend des Schweizer Nationalfestes), die eines fremden Volkes Stolz und Hoffen zum Himmel trugen, mit der Hatikwah, dem Kampflied unserer erwachenden Nation." Und ein anderer Artikelschreiber ändert unter ausdrücklicher Hervorhebung dieses Abweichens den Wortlaut des bekannten lateinischen Spruches: „Um das Vaterland geht es, scheint es auch Spiel," ab in: „Um unser Volk geht es, scheint es auch Spiel." Hier ist also schnell ausBaterland V o l k g e m a ch t worden. Die Hatikwah wird in den Blau-Weiß-Bünden gesungen. Die Rufe Schalom und Hedad, die auch in sehr gut jüdischen, aber nicht nationalen Kreisen nicht gerade gang und gäbe sind, sind dort offiziös. Am interessantesten ist das in den Blau-Weiß-Blättern empfohlene, von der Führerschaft des Vereins Berlin herausgegebene Liederbuch. Das Liederbuch enthalt 13 Seiten Freiheitslieder, d. h. spezifisch jüdisch-nationale Gesänge und 36 Seiten jüdische Volkslieder (I a r g o n lieber), die letzteren in einer so großen Auswahl, daß man annehmen muß, die Verfasser des Buches legten gerade auf diese Lieder besonderen Wert. Wenn in den Freiheitsliedern ständig betont wird, Palästina sei der Juden Vaterland, wenn dort gesagt wird: „Wenn aber nach des Schicksals strengem Mund Zu früh mein Auge bricht auf fremdem Grund . . ." so möge der Sterbende „mit dem Antlitz nach dem Orient zu seinem teuren Vaterland gebettet werden", so ist das vielleicht doch etwas jüdisch-national. Und wenn ein Blau-Weiß-Bund durch 'die Lande mit folgendem im Blau-Weiß- Buch enthaltenen Lied — ein Beispiel für viele — zieht: „Der Tate ist gefahren kin Balte, Der Tate ist gefahren kin Balte, un as er is gekummen vun Balte, Hot er mir mitgebracht a Baske." so pflegen solche Lieder bei aller Würdigung der jiddischen Sprache, den Empfindungen der deutschen jüdischen Jugend bisher doch noch ganz fremd zu sein, und sie werden wie wir, — trotz.