Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Article
- Wahrhafigkeit / E.
- Date
- 1914-06-01
- Page
- 274 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- address
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316841-2316847--24801-2348912- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
274 Fm deutschen Neich,- nicht als Gottessöhne oder Idealgestalten, die von Natur aus schon fehlerlos sind. Sie sagt von den Menschen überhaupt: „Keiner ist so gerecht auf Erden, daß er nur Gutes tut und. nicht sündigt." (Kohelet 7, 20.) Gleichwohl nennt sie die Erzväter, wie viele andere, deren Sünden sie berichtet, „Gerechte". Denn gerecht ist ihr der, der von der Sünde sich erhebt und dem Guten z u st r e b t. Ls wäre für uns nicht schwer, nach dem Beispiel mangelhafter oder kurz absprechender Kritik am alten Testament eine solche auch an christlichen Schriften zu üben. Wir werden das nicht tun. Wir weisen nur aus die wirklichen religiösen und sittlichen Lehren des alten Testaments hin, wie daraus, daß das Christentum selbst sein Heiligtum mit dessen reichen Schätzen ausgestattet hat. (Vgl. I. Eschelbacher, Das Judentum im Urteile der modernen protestantischen Theologie, 1907, S. 12ff.) E. — Verörehungsrünstler. Die „Deutsche Tageszeitung" beehrt uns in dem diesem, agrarischen Blatte eigenen Ton mit einem ganzen Artikel, weil wir uns dagegen gewehrt hatten, daß man in der antisemitischen Literatur mit Vorliebe den Juden als den ehrlosen Wucherer, Ausbeuter und Betrüger hinstellt oder derartigen abstoßenden Charakteren einen exquisit jüdischen Namen, z. B. Samuel Goldberger, beilegt. Natürlich! Wir haben von dem Blatt des Bundes der Landwirte nichts anderes erwartet. Das Feld, auf dem es arbeitet, würde ja zu steril sein, wenn nicht etwas künstlicher Dünger darauf käme. Dazu sind die Iudenöeschimpfungen gerade gut genug. Man benutzt die Juden zu Zirkus-Späßchen, man stellt sie als ehrlose, vaterlandslose Fremdlinge hin, die lauter Vorrechte beanspruchen und mit ihrer kleinen Zahl das ganze deutsche Volk beherrschen; man berichtet aus dem Gerichtssaal: der Jude hat gestohlen, ein jüdischer Wüstling usw., so daß der treue Leser zu dem Schluß kommt: Juden und Lumpen — ist identisch. Diese Methode braucht der Antisemitismus. Lin Satz in dem Artikel des ehrbaren Blattes hat uns aber gefallen: „Auf die Dauer hält die kurzbeinige Lüge d e n W e t t l a u f m itderWa h rh eit nicht <ru§.a Vortrefflich! Wir möchten auf die Gefahr hin, wiederum der „Dreistigkeit" von der „D. T." geziehen zu werden, als „anmaßliche Zensoren" das edle Blatt erinnern, daß wir seine „Wahrheitsliebe" bereits in Heft 12 des ersten Jahrganges unserer Zeitschrift durch folgende Notiz in das hellste Licht stellen konnten: „Die Kunst der Verdrehung" lautete die Reberschrift eines Artikels, in dem das in Köln erscheinende „Israelitische Gemeindeblatt" vom 12. September d. I. die Art brandmarkte, in der die „Deutsche Tageszeitung" sich erdreistete, über den Teil unserer Tätigkeit zu urteilen, der die berechtigte und nützliche Abwehr w i rtsch aft l i cher S chä d i g un g en der deutschen Juden betrifft. Wir haben den erwähnten Artikel des Kölner Gemeindeblattes in unserem Oktoberheft wortgetreu wiedergegeöen und nur die Bemerkung hinzugefügt: „Wird die „Deutsche Tageszeitung" und die „Kreuzzeitung", welche den Artikel' der „Tageszeitung" Nachgedruckt hat, soviel Anstandsgefühl haben, ihre völlig verdrehte Darstellung zu berichtigen?" — Nun, das Anstandsgefühl des Organs des Bundes hat eben dazu hingereicht, die von ihm verschuldete „A n t i s e m i t i sch e Verdrehung" nicht nur zu iwiederholen, sondern auch in einer „W ieder einiges aus der Boykottliste des C e n t r a l v e r e i n s d e u t f cf) c r taat s- Burger jüdischen Glaube n s" überschriebeueu Notiz in einer Art zu überbieten, die gebührend zu kennzeichnen uns seder parlamentarische Ausdruck fehlt. Wir unterbreiten dem Arteil der anständigen Menschen die Vergleichung bas