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Im deutschen Reich · 1914-06-01 · Heft 6 (Juni 1914) · p. 273

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 6 (Juni 1914)
Article
Wahrhafigkeit / E.
Date
1914-06-01
Page
273 (sequence 1)
Language
German
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V er einsnachrichten. 273 Wahrhaftigkeit. Die Notiz S. 45 unserer Feöruarnummer hatten wir wie an Frau T., Königshütte, an Herrn Professor Dr. Baumgarten in Kiel gesandt. Dieser hat uns darauf mit nachstehender Zuschrift beehrt. Der verehrlichen Redaktion bestätige ich den Empfang der Nummer 2 des laufenden Jahres, worin auf Seite 87 eine Aeußerung von mir über die Wahrhaftigkeit im Alten Testament in persönlich freundlicher Weise besprochen wird. Sie haben durchaus recht mit der Annahme, daß ich sowohl dem Alten Testament wie dem Judentum gegenüber freundlich stehe. ^Dagegen können mich doch Ihre Beweisstellen nicht davon überzeugen, daß das Ideal der Wahrhaftigkeit im Alten Testament sonderlich gepflegt wird, denn in dem Grundgesetz, im Dekalog, findet es weder eine hervorragende, noch, wenn man es genau nimmt, überhaupt eine Stelle,- und die Erzväter, die doch zweifellos Idealgestalten bieten sollen, obenan Jakob, lassen jedes Bedürfnis der Wahrhaftigkeit vermissen, ohne daß die Erzähler irgendwelche Kritik dieses unwahrhastigen Verhaltens durchblicken lassen. Damit habe ich meine Behauptung gestützt. Im übrigen dehne ich diese abfällige Aeußerung keineswegs weiter aus, sondern bleibe dabei stehen, daß nur gerade in dieser Hinsicht Schranken zu verspüren sind. Hochachtungsvoll gez. Professor Baumgarten. Gern nehmen wir Akt von der Bekundung der in dieser Zuschrift ausgesprochenen freundlichen Gesinnung. Zu den sachlichen Bemerkungen aber haben wir folgendes zu erwidern: 1. Der Dekälog enthält weder die Summe noch die Höhepunkte der jüdischen Religion und Ethik, sondern nur deren kurz gefaßten Hauptsätze, die Grundlage der weiter folgenden Gesetze, welche jene weiter ausführen. So gebietet Vers 11 des Kap. 19 im Z. Buch, Moses insbesondere die Wahrhaftigkeit: „Ihr sollt nicht stehlen, nichts ableugnen, nicht lügen, einer gegen den andern/' And wie fern selbst jede innere Anwahrheit dem Israelitin bleiben soll, das sagt der 15. Psalm. Auf die Frage: „Herr, wer darf in deinem Zelte weilen, wer auf deinem heiligen Berge wohnen?" lautet die Antwort: „wer in Geradheit wandelt, recht tut und Wahrheit redet in seinem Herzett". 2. Die Behauptung, daß die Erzväter, obenan Jakob, jedes Bedürfnis der Wahrhaftigkeit vermissen lassen, ist absolut nicht zu rechtfertigen. Die Bibel erzählt, daß Jakob aus das Geheiß seiner Mutter nach anfänglichem Widerspruch vor den blinden Vater Isaak im Gewände seines Bruders Esau getreten und den diesem ursprünglich bestimmten Segen empfangen habe. And sie erzählt auch, ausführlichwie schwer er unter den Folgen dieser Tat gelitten, wie er sodann um dessen Versöhnung sich bemüht, sie erlangt, und sodann mit großen Gaben gut zu machen suchte, was er gegen ihn gefehlt hatte. Die ganze folgende Geschichte Jakobs, die Erzählungen von seinen Söhnen, die nach manchen Irrungen alle in Treue und Gehorsam sich zu ihm zurückgefunden, vereint sein Sterbelager umstanden, seinen Tadel und seinen Segen empfingen, im Leben wie nach seinem Tode ihn liebten und verehrten, sollte jedes absprechende Arteil über ihn fern halten. 3. Die Erzväter sollen so wenig wie andere Personen in der Bibel „I d e a l gestalten" bieten. Sie berichtet von ihnen, wie von Moses und Aron, von Samuel und David und anderen Sünden, Fehler und Irrtümer. Sie schildert sie eben als Menschen und

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