Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1914-06-01
- Page
- 262 (sequence 7)
- Language
- German
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262 Fm deutschen Reich. für den Handel. Die Wahl der Schulen belehrt uns eines anderen; offenbar sollen die Schüler einen rein geistigen Beruf ergreifen. In der Tat sind gerade in Berlin eine auffallend große Anzahl Juden als Rechtsanwälte und Aerzte^ anzutreffen. Von den angedeuteLeu Stellen aus kann ein nicht geringer Einfluß auf unser Volksleben ausgeübt werden und wird auch vielfach kräftig ausgeübt. Daß man vom Standpunkt unseres germanischen Volkstums aus diesem Eindringen des Judentums in die geistig führenden Berufe nicht ohne schwere Sorgen Zusehen kann, ist klar. Insofern künden die gegebenen Ziffern von sehr bedenklichen Verhältnissen." Diese Notiz veranlaßte Herrn Hauptlehrer Spatz in Beringen in Württemberg, Mitglied der Lehrerkonferenz Freudenstadt, zu einer Entgegnung, in der gesagt war: „Bisher wußte sich der Stand der Volksschullehrer in seiner überwiegenden Mehrheit der „Schmach, des Jahrhunderts" fernzuhalten. Rassenschwindel und Bassendünkel fanden in den Kreisen meiner Kollegen fast durchweg entschiedene Abweisung. Das germanische Volkstum kann nicht den Sinn einer geschlossenen Bassengemeinschast haben, weil dem die geschichtliche Entwicklung in Deutschland widerspricht. Das „germanische Volkstum" wird demnach als eine Kulturgemeinschaft aufzufassen sein. Das „Judentum" bedeutet aber dem deutschen Juden nur eine Beligionsgemeinschaft. Wir deutschen Juden fühlen als Angehörige des deutschen Volkes, weil wir den Willen haben, deutsch zu sein. Angeregt durch den Artikel der „Allgemeinen Deutschen Lehrerzeitung" habe ich den Inhalt meiner Psyche mit dem meiner christlichen Freunde und Kollegen verglichen und keinen Unterschied gefunden als den in der Individualität begründeten. Der Gegensatz zwischen „germanischem" Volkstum und Judentum besitzt uur die Realität eines antisemitischen Schlagwortes." Der Herausgeber der „Allgem. Deutschen Lehrerzeitung" hat dem Wunsch der Veröffentlichung der weit ausführlicheren Entgegnung entsprochen, da sie, wie der Herausgeber sich iausdrückt, ein so schönes Bekenntnis zum Deutschtum enthält, wie man es sich nur wünschen kann. Zu einer Entrüstung habe aber kein Grund Vorgelegen, denn es sei noch lange kein Antisemitismus, wenn man dem überwiegenden Einfluß des Judentums (und nur von einem solchen war die Bede) auf Bildung, Literatur und Kultur mit einiger Besorgnis zusieht. Selbst wenn das Judentum, wie es Herr Kollege Spatz darstelle, nur eine „Beligionsgemeinschaft" wäre, so dürste doch einem Eindringen von Juden in die führenden Kreise nur im Verhältnis zur Bevölkerungszifser das Wort zu reden sein, nach dem Grundsätze der Parität. Wenn wir den Einfluß der höheren Schulbildung nicht gänzlich ab leugnen wollen, so muß.