Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Article
- Was nun?
- Date
- 1914-06-01
- Page
- 246 (sequence 6)
- Language
- German
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246 Im deutschen Weiche Der diese treffenden Worte in der letzten Reichtagssitzung sprach, war — der preußische Kriegsminister! Es ist schwerreine SaLyre zu schreiben. — Dem außerordentlich angewachsenen deutschen Heereskörper fehlen ständig Offiziere, Aerzte — und Tausende von brauchbaren, intelligenten .Kräften werden recht- und grundlos zurückgestoßen, bloß, weil sie Inden sind, weil sie es verschmähen, mit der Taufe ein frivoles Spiel aus selbstsüchtigen Motiven zu treiben, weil sie Treue halten ihrem alten, von schlechten Menschen beschimpften und verfolgten Glauben! And diese Politik — ebenso ungerecht, wie schädlich dem Vaterlande — die soll weiter aufrecht erhalten werden? Gegen sie erheben sich nicht einmütig und rastlos alle Parteien, die es gut mit ihrem ßeimatlande meinen? Gegen sie kämpft nicht in erster Linie die Staatsgewalt selbst mit allen ihren Machtmitteln an? Wahrlich, man möchte mit Shakespeare ausrufen: „O, Arteil, du entflohst zum blöden Vieh, Der Mensch ward unvernünftig!" *. Oberschlesien. Für den wirtschaftlichen Aufbau des Deutschen Reiches stellt der Regierungsbezirk Oberschlesien mit seinen fast unerschöpflichen Kohlengruben und seinen großen industriellen Anternehmungen einen sehr wichtigen Faktor dar, und ebenso bedeuten im Rahmen der-deutschen Iudenheit die 20 060 oberschlesischen Juden einen ansehnlichen Teil, der durch ein reges politisches und religiöses Leben die Aufgaben der deutschen Juden stets in reichstem Maße gefördert hat. Viele der führenden Geister unseres jüdischen Lebens, viele Juden ferner, die im allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Leben unseres deutschen Vaterlandes eine Rotte spielen, stammen aus Oberschlesien, und vermöge ihrer Intelligenz und ihrer materiellen im Durchschnitt günstigen Verhältnisse sind die arbeitseifrigen und ausopferungsfreudigen oberschlesischen Juden auch in der engeren Heimat kommunalpolitisch, in der Industrie und im Handel von großer Bedeutung. Am so mehr muß es wnudernehmen, daß es vielleicht keinen Teil Deutschlands gibt, in welchem die Iudenpolitik der Regierung merkwürdigere Dinge zutage fördert als in Oberschlesien. Gewiß gilt das in erster Reihe nicht von dem Verhalten den deutschen Juden, sondern den Ausländern gegenüber, die hier wegen der doppelten Grenze in besonders großer Zahl auftreten. Aber da diese Ausländer ihres Juden-