Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1914-05-01
- Page
- 220 (sequence 2)
- Language
- German
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220 Fm deutschen Reich. die alleinige Gewähr für die Fortexistenz des Judentums.^ Mit dieser Gesinnung wird der deutsche Zionist den Interessen seines Vaterlandes, dem er als Staatsbürger angehört, mindestens dasselbe Verständnis und dieselbe Liebe entgegenbringen, wie derjenige Jude, der sich zum jüdischen Volkstum nicht bekennt, seine jüdische Stammesart leugnet und der naiven 'Ansicht ist, daßihn nichts als der Glaube von seinen christlichen Mitbürgern unterscheide. Ein Staat kann sich aus verschiedenen Stämmen und Völkern zusammensetzen, und sie können mit gleicher Liebe und Treue für diesen Staat eintreten. Dieser Auffassung entsprechen auch die im Jahre 1902 vom Deutschen Kaiser in Posen gebrauchten Worte: „Das Königreich Preußen setzt sich aus vielen Stämmen zusammen, die stolz sind auf ihre frühere Geschichte und Eigenart. Das hindert sie nicht, vor allem gute Preußen zu sein." Im Sinne dieses Kaiserwortes betätigen sich die deutschen Zionisten, wie alle deutschen Juden, als gute deutsche Staatsbürger, nehmen, in Deutschland ausgewachsen, regen Anteil an der Kultur und sind stets bereit, für die Interessen des Deutschen Reiches ihre vollen Kräfte einzusetzen. So steht die zionistische oder nationaljüdische Gesinnung nicht im geringsten Gegensatz zur Erfüllung staatsbürgerlicher Pflichten und zur Betätigung deutscher Gesinnung, und nur Böswilligkeit oder blinder Haßgegen pie immer mehr erstarkende zionistische Bewegung scheinen die eigentlichen Triebfedern zu sein für die oben erwähnten unerhörten Beschuldigungen. Dr. Sichel, 1. Vorsitzender der Zionistischen Ortsgruppe Chemnitz." Herr Iustizrat Dr. Horwitz richtete darauf an die Redaktion der „Allgemeinen Zeitung" in Chemnitz nachstehendes Schreiben mit der Bitte um Veröffentlichung: „Der erste Vorsitzende der zionistischen Ortsgruppe Chemnitz, Herr Dr. Sichel, wendet sich in Ihrem geschätzten Blatte gegen eine Aeußerung, welche ich in der Versammlung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am 21. v. M. gemacht haben soll und welche von ihm, gelinde gesagt, nicht verstanden worden ist. Es ist von mir ausdrücklich erklärt worden, daß die zionistische Gesinnung sich nicht im Gegensatz zur Erfüllung staatsbürgerlicher Pflichten und — riad; der Erklärung vieler Zionisten — auch nicht zur Betätigung deutscher Gesinnung stehe. Ich habe ferner hervorgehoben, daß es allerdings in vollem Gegensätze zur Betätigung deutscher Gesinnung stehe, wenn ein Teil der Zionisten behaupte, daß die Juden ein Gastvolk im fremden Lande seien, und wenn seitens der Zionisten gefordert werde, daß. die deutschen Juden sich von der deutschen Umgebung und der deutschen Kulturwelt tunlichst fernhalten sollten, um einer eigenen Kultur zu leben. Es ist endlich von mir noch besonders darauf hingewiesen worden, daß der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zwischen sich und den Zionisten der letzterwähnten Richtung allerdings eine scharfe Scheidelinie ziehe, daß aber für die ersterwähnten Zionisten, die ein wirkliches deutsches Nationalgefühl hegen und deutsch nationale Gesinnung betätigen, im Centralverein durchaus Raum sei. Herr Dr. Sichel meint auch das Wort des Deutschen Kaisers, daß das Königreich Preußen sich aus vielen Stämmen Zusammensetze, die auf frühere Geschichte und Eigenart stolz