Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Article
- Das antisemitische Hauptdogma
- Date
- 1914-05-01
- Page
- 204 (sequence 3)
- Language
- German
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204. 3 nt deutschen Reich. Und viele andere. Weit eher verdiene Inda, das ja nicht minder «als Israel ein Hirten- und Ackerbauerstamm gewesen ist, ein Volk' von tiefer Gemütsart und starker Frömmigkeit genannt zu werden. Die Art von Bibelerklärung, wie sie antisemitische Schriftsteller betreiben und empfehlen, brandmarkt der Verfasser am Schluß dieses Teiles mit berechtigter sittlicher Entrüstung als „eine Schmach für die Wissenschaft", als eine Methode, die „an Verleumdung grenzt". „Man muß sich empört fühlen darüber, daß solche Ratschläge in unserer Zeit und in unserem deutschen Vaterlande möglich sind." Der dritte Teil: „Juden und Galiläer" beschäftigt sich mit der, zuweilen auch von Nichtantisemiten behaupteten nichtjüdischen Abstammung des Galiläers Jesu, und weist die völlige Haltlosigkeit und Nichtigkeit dieser Behauptung nach. Es sei ganz verkehrt, „ein ungeschichtliches Verfahren", die Lehre Jesu als „neue Religion" zu bezeichnen, wie das Delitzsch tut, und in Gegensatz zu den Lehren desj Judentums zu stellen, denn „die Grundzüge der Religionsanschauung des Judentums, die Ideen des Monotheismus, die Erhabenheit des Göttlichen, die Vildlosigkeit des Kultus... alle diese Prinzipien, das sind die G r u n d s ä u l e n des Christ e u - tums geblieben." Die Entstehung des Christentums aus dem Judentum ist ihm eine „geistzesgeschichtliche Notwendigkeit", so daß keine Psychologie der Welt es verhindern kann, daß der Stifter des Christentums ein Jude gewesen ist. Er schließt diesen Teil mit den sehr klugen und beherzigenswerten .Worten, die Man nicht oft und laut genug in die Lande Hinausrufen kann: „W as kann denn auch überhaupt die Rasse über den geschichtlichen Zusammenhang der geistigen Kultur entscheiden? Das menschliche Denken ist nach seinem psychologischen Prozesse bei allen Nassen dasselbe. Mit diesem Betonen der Rasse verirrt man sich vom geistigen auf das körperliche Gebiet, verwechselt man den psychologischen Gesichtspunkt mit dem physiologischen. In dem Bevorzugen der einen Rasse vor der andern, das ja neuerdings bekanntlich auch in den Bestrebungen, „die ario-germanische Weltanschauung" wieder zu erwecken, und die Arier als die einzigen Träger der echtmenschlichen Kultur hinzustellen, stark zum Ausdruck kommt, liegt eine noch zu wenig erkannte Gefahr für den geistigen Fortschritt des Menschengeschlechts." Ich habe den Inhalt dieser Schrift darum mit einiger Ausführlichkeit 'wiedergegeben, weil es mir dringend nötig erscheint, daß er in die weitesten Kreise dringe und zur Lektüre dieser vortrefflichen Ausführungen anrege — im Interesse geschichtlicher Wahrheit über das Judentum und zur Beseitigung der von A. tisemiten ausgestreuten Geschichtsverdrehungen und der dadurch angerichteten Schäden^ Umschau. Da jede Verschmelzung kleiner politischer Gruppen eins Vereinfachung des Parteiwesens bildet und eine Klärung der Verhältnisse erleichtert, ist der am 22. März in einer Der-