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Im deutschen Reich · 1914-05-01 · Heft 5 (Mai 1914) · p. 203

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 5 (Mai 1914)
Article
Das antisemitische Hauptdogma
Date
1914-05-01
Page
203 (sequence 2)
Language
German
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Das antisemitische Hauptdogma. 203 Wentlicher und semitologischer Wissenschaft gehört und nicht minder der Gründlichkeit und Zuverlässigkeit) wie Ser Vielseitigkeit seiner Forschung seinen Ruf verdankt, von Begriff und Geschichte des Antisemitismus. Mit Recht bemerkt er, daß man weder von einem religiöser: Antisemitismus zu reden berechtigt sei, weil Israels Religion nichts mit seinem Semitentum zu Lun habe, noch von einem politischen, weil seine politische Stellung und Betätigung weder in alter Zeit noch in der Gegenwart mit seiner Rationalität irgendwie zusammenhängt, noch schließlich von einen: wirtschaftlichen, 'weil eine etwa je vorkommende schädliche wirtschaftliche Tätigkeit einzelner nicht verallgemeinert werden darf, um so mehr, als sie ja auch von Gliedern anderer Rationen und Religionsgemeinschaften betrieben wird. Von Antisemitismus könne man logischerweise nur da reden, wo ein Rassengegensatz gegen die Juden empfunden wird. Ein solcher Rassenantisemitismus läßt sich in älterer Zeit nirgends Nachweisen, weder bei den Griechen des Altertums^ noch bei den Christen des Mittelalters. Er ist vielmehr ein Produkt der Reuzeit, richtet sich aber nicht nur gegen die Juden der Gegenwart, sondern auch gegen ihre alte Literatur und die religionsgeschichtliche Stellung des Volkes Israel mit Einschluß der Wirksamkeit Jesu. Der Verfasser geht nun daran, wie er sagt, „das Gestrüpp, das von den Antisemiten in bezug auf die Rassenverhältnisse Palästinas und speziell Israels angepflanzt wird, mit ruhiger Hand anznfassen, um den Boden der geschichtlichen Wahrheit von diesem Ankraut zu säubern." Eingehend weist er die völlige Grundlosigkeit der von antisemitischen Schriftstellern vertretenen Behauptung nach, der zufolge der erhabene Gottesbegriff der Propheten, wie ihn die Bibel lehrt, nichtjüdischen Arsprungs sei. In den: ersten Teile seiner Schrift: „Die früheren Bewohner Palästinas und die Israeliten", zeigt er, daß in Kanaan neben den Israeliten zwar, in vor- und nachmosaischer Zeit Völker. semitischen und indogermanischen Arsprungs gewohnt haben, diese aber nur in einzelnen Stücken der äußerlichen Kultur, wie in Schrift, Jahresanfang und Monatsnamen eine Aebereinstimmung mit den Israeliten aufweisen. In der Religion und Moral dagegen erweist sich Israel schon seit den ersten Patriarchen durchaus selbständig und in vollstem Bewußtsein seines kulturellen Ligenbesitzes. Diese Religion Israels habe aber nichts mit seiner Zugehörigkeit zum Semitentum zu turn, noch sei sie bloß als die feinste Blüte des Volksgenius anzusehen. Denn wie wäre es zu erklären, daß diese Ration so oft von der Religion seiner führenden Geister weggestrebL habe? Im zweiten, „Israel und Juden" betitelten Teile widerlegt der Verfasser treffend die von antisemitischen Gelehrten aufgestellte Behauptung, wonach zwischen Israel und Juda ein Rassen» gegensatz bestanden habe, jenes ein Hirten- und Ackerbauerstamm gewesen sei, von tiefer Gemütsart und starker Frömmigkeit, während Juda, dieser edleren Gemütsanlagen bar, Israel durch Schlauheit überlistet, wirtschaftlich unterjocht und zuletzt noch gar seinen Ramen sich angeeignet habe. Er zeigt, daß zwar zwischen Israel und Juda eine Rivalität, aber nie ein nationaler oder gar e r n R a s s e n g e g e n s a tz s i ch g e ä u ß e r t, tionaler oder gar ein Rassengegensatz, sichgeäußert, also auch nicht bestanden habe, da vielmehr beide Teile des Gesamtvolkes Israel zu allen Zeiten als stammverwandt sich gefühlt und bekannt haben, ferner, daß gerade aus Juda die edelsten un!d besten Vertreter der prophetischen Religion hervorgegangen sind, so David, Amos, Iesaia, Ieremia

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