Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Article
- Das Judentum in Kunst und Anschauung der Völker
- Date
- 1914-04-01
- Page
- 178 (sequence 2)
- Language
- German
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178 Iw deutschen Reich. Gehässigkeit ist hier nirgends die Rede. Der liefe Realismus dieses Volkes suhlt die chraktervolle Schönheit des sephardischen Typus und gestaltet ihn mit großer Feinfühligkeit. Es liegt in dessen Charakter, daß idealistische Kunstgesinnungen, die naturgemäß allgemeingültigere Typen lieben, den Israeliten weniger gern gestaltet haben. In Italien waren es infolgedessen nur die beiden charaktervollsten Künstler, Botticelli und Michelangelo, von denen freilich der letztere im „Moses" die höchste Sublimierung gegeben hat, dessen der Typus Wohl überhaupt fähig ist. Ebensowenig konnten die weichlicheren Zeiten des 17. und 18. Jahrhunderts an ihnen Gefallen finden; Adriaen van der Werff zeigt in seinem süßlichen Hagarbilde, wie sehr selbst im einst so realistischen Holland dasi Bewußtsein dieser Ausdruckskraft geschwunden ist. Entsprechend seiner Gesinnung fehlt es gerade dem 19. Jahrhundert nicht an den gehässigsten Darstellungen. Als Beispiel wurde Max Klingers Radierung „Elend" angeführt, sie zeigt die gedrückte Arbeit aller vom Frohnvogt Elend" gepeitschten Menschen, mit dem der Jude, schlau lächelnd, seine Schachergeschäfte zu machen trachtet. Es ist ein Verdienst des modernen Realismus gewesen, der, auch rein äußerlich, die Linie der holländischen Entwicklung wieder ausnahm, hier Wanver geschaffen zu haben. Ramentlich Israels hat in seinem „Sohn des alten Volkes", den ganzen Charakter der Rasse des Typus, aber auch das ganze Schicksal seines Volkes zum Ausdruck gebracht. Den von hohem Kunstsinn und eingehenden Studien zeugenden Ausführungen des Redners wurde lebhafter Beifall gezollt, und ihm von dem Leiter der Versammlung, dem ersten Vorsitzenden des Centralvereins, Herrn Iustizrat Dr. Horwitz, der Dank für seine wertvolle Leistung zum Ausdruck gebracht. Von einer Debatte wurde, nachdem der Vorsitzende eine Anfrage als den Centralverein nicht berührend bezeichnet hatte, Abstand genommen. * Die VersammlungsberichLe vocxbcn voc$en Platzmangels erst irrt nächsten Heft veröffentlicht. # Vereinsnachrichten. Aachrrr.se. Das Dahinscheiden des Fürstbischofs Kardinal Kopp wird nicht nur in katholischen Kreisen betrauert, sondern hat auch bei den deutschen Juden aufrichtige Teilnahme erweckt. Es ist unvergessen, daß dieser hochgesinnte Kirchenfürst sich jederzeit als ein Hüter des konfessionellen Friedens bewährt und, wenn Verleumder die Juden bedrängten, feine Abneigung gegen dieses Treiben offen bekundet hat. Das Andenken dieses edlen Gerechten wird ein gesegnetes bleiben! Auch in unseren Kreisen wird Lief beklagt, daß Herr Geh. Banrat Wilhelm Venoit in Karlsruhe am 3. März dieses Jahres nach langjähriger, hingebender und eifriger Tätigkeit im Vorstande des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus im 88. Lebensjahre verschieden ist und in den Reihen charaktervoller Mitstreiter eine schmerzliche Lücke hinterläßt.