Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Article
- K. C.-Feier in Frankfurt a. M. am 1. März 1914
- Date
- 1914-04-01
- Page
- 160 (sequence 2)
- Language
- German
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160 Im deutschen Reich. Vertreterinnen aus Frankfurts Damenwelt, ja auch manche Frau eines alten K. C. er s, der von weit her zum Feste gekommen war. Wie aber wuchs erst die Empfindung einer stolzen Begeisterung, als das feierliche Kommersieren seinen Anfang genommen hatte, als sinnvoll gewählte Lieder aus jungen frohen Kehlen gesungen, sich empor schwangen Zur Höhe, als frisch und forsch geriebene Salamander tönten, als das taktmäßige Klopfen der Rapiere durch den Saal dröhnte, als die kräftige helle Stimme des präsidierenden stud. jur. Ettinghaus e n von der Bavaria in Heidelberg sich und den Rednern des Abends Gehorsam, Ruhe und Aufmerksamkeit so mühelos erzwang. In solcher Stimmung fanden sofort die Worte des Herrn Dr. med. Max Mainzer lebhaften Widerhall, der im Namen der „Vereinigung Frankfurter K. C. er" kernige Worte der Begrüßung an all die Erschienenen richtete. „Wenige Monde nur", so führte er aus, „trennen uns von dem Augenblick, wo die alte Kaiserstädt Frankfurt a. M. als jüngste Alma Mater ihre Pforten der wissensdurstigen deutschen Jugend öffnen wird. Daß sich mit dem Aebergang zur Universität eine gewisse Wendung im gesellschaftlichen Leben dieser Stadt vollziehen wird, begreift ein jeder, der akademische und Universitätsverhaltnisse kennt. Und daß auch das gesellschaftliche Leben Frankfurts, insoweit die Stellung des jüdischen Bevölkerungsteils in Betracht kommt, davon nicht unberührt bleiben wird, ist wiederum jedem verständlich, der die Dinge aus eigener Kenntnis und eigener Beobachtung ins Auge faßt. Das wäre auch so, wenn nicht gerade im gegenwärtigen Moment starker denn je der organisierte Antisemitismus sich der akademischen Jugend in Deutschland zu bemächtigen suchte. Zu keiner Zeit hat der Antisemitismus in der Weise „wissenschaftlich" auf die Hochschulen einzuwirken gesucht, wie jetzt. Und da haben wir es für unsere Pflicht gehalten, zu zeigen, daß auch derjenige Teil der jüdischen Akademikerschaft und der jüdischen Stundenschaft, der in der Bekämpfung des Antisemitismus in der Studentenschaft und der Erziehung seiner Mitglieder zu selbstbewußten Juden im weitesten Sinne des Wortes seine Aufgabe sieht, daß auch der am Platze ist, um mit einem mächtigen Auftakt sozusagen sein Panier in Frankfurt zu entfalten." Dr. Mainzer wandte sich sodann mit herzlichen Worten des Dankes an die Herren vom Vorstand und Ausschuß der Israelitischen Gemeinde, die korporativ erschienen waren und so die Gesamtheit der Frankfurter jüdischen Bevölkerung zu repräsentieren suchten, wie denn übrigens auch Rabbiner aller Richtungen bei dem Feste anwesend waren. Ebenso herzlich waren die Sätze, mit denen die Vertreter des Central-