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Im deutschen Reich · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. 107

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Article
Plan eines Jahrbuchs für das deutsche Judentum
Date
1914-03-01
Page
107 (sequence 6)
Language
German
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Plan eines Jahrbuchs für das deutsche Judentum. 107 Der ganze Gedanke, wie er einmal aufgebaut ist, steht und fällt mit der Forderung, daß die verschiedenen Richtungen im Judentum auch auf denjenigen Gebieten Zusammenwirken, wo die abweichenden Grundanschauungen klar zutage treten müssen. Hier müßte, insbesondere auf dem Gebiete der religiösen Bewegung, z. B. auch für den Bereich der Bibelkritik) je ein Bericht der orthodox-traditionellen, der liberal-kritischen und der vermittelnden Richtung erscheinen. Nun sucht aber jede Gruppe ihren Geltungsbereich auszubreiten. Die Durchführung der abweichenden Gedanken bringt die Nachteile mit sich, die mit jeder politischen und geistigen Bestrebung verknüpft sind: Der Kampf der Gedanken endet nicht selten in einer Fehde der Personen. Zum mindesten führt jede Kristallisation der einzelnen Richtungen, jede Aufstellung von Richtlinien dazu, die Gegensätze als unversöhnlich einander gegenübertreten zu lassen. Gerade deshalb, weil jede Gruppe das „Judentum" auf ihre Fahne schreibt, will jeder Streiter als des Banners wahrer Schützer gelten. Ist es unter diesen Amständen auch nur denkbar, daß, die Träger der verschiedenen Richtungen miteinander Zusammenarbeiten? Die Möglichkeit eines Zusammenarbeitens unter allen Hutständen verneinen, hieße nichts anderes, als die Zukunft des Judentums verneinen. Denn hiernach müßte es allmählich zu einer Scheingestalt herabsinken und in Wahrheit in drei oder vier wesensverschiedene Sekten sich auflösen. So schlimm steht es aber doch nicht. Die gemeinsame Geschichte ist der Grundpfeiler, auf dem jede Einigungsarbeit getrost aufgebaut werden kann. Sie ist der innere Ring, der uns zusammenschließt) wie namentlich das Zusammenwirken oder wenigstens das Sich-Zusammenfinden in den Vereinen für jüdische Geschichte und Literatur erkennen läßt. Den äußeren Ring bildet die gemeinsame Anfeindung. Ist es nötig, auch auf solche Züge in der Eigenart des jüdischen Gemüts hinzuweisen, die mit der Verschiedenheit der Weltanschauungen nichts zu tun haben? Nur der Geist der Humanität soll genannt werden, der Reich und Arm, Gebildet und Ungelehrt, gleichmäßig durchzieht. Die Gemeindeverwaltung stellt neben den Einrichtungen, wo die Gegensätze wie Feuer und Wasser aufeinander wirken müssen, noch genügend Aufgaben, die zu wahrhaft gemeinsamem Wirken Gelegenheit geben. Schließlich ist es bei jeder großen Tagung Brauch, Referat und Korreferat durch Persönlichkeiten erstatten zu lassen, welche bereits ihre gegensätzlichen Anschauungen zum Ausdruck gebracht haben. In dem jüngst erschienenen ,,Handbuch der Politik" find Beiträge von Vertretern aller politischen Parteien zu finden. Jede Richtung weist auch genügend Männer auf, die hoch genug stehen, um den Hader des Tages nicht mit der Errichtung eines großen Werkes zu vermengen. Aber noch ein

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