Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Article
- Plan eines Jahrbuchs für das deutsche Judentum
- Date
- 1914-03-01
- Page
- 105 (sequence 4)
- Language
- German
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Plan eines Jahrbuchs für das deutsche Judentum. 105 philosophischen Geistesrichtung in Deutschland steht. Der Zionismus würde schließlich hier Gelegenheit finden, seine Stellung gegenüber einer Vereinigung deutschen und jüdischen Wesens Leidenschaftsloser und gerade darum greifbarer zürn Ausdruck zu bringen, als dies im Lärm des Tages geschehen kann, in welchem jedes Wort als Antwort auf die Rede des anderen gelten soll. Gin sachlicher Bericht wird voraussetzen, daß die Auffassungen der radikalen und der gemäßigten Zionisten auseinandergehalten werden, sowie daß das Stärkeverhältnis dieser äußerlich nicht gesonderten Gruppen nach Möglichkeit klargestellt wird. Schließlich wird der zionistische Vertreter zu der Frage Stellung nehmen müssen, inwieweit für das Ideal der vollen und ungehemmten Entfaltung der Persönlichkeit, das der begeisterungsfähigen Jugend in erster Linie vorschwebt, auf deutschem Boden mit Erfolg und Nachdruck gekämpft werden kann. Der ethische Zweck des Gesamtwerkes könnte erst durch die nachdenkliche Arbeit des Lesers verwirklicht werden. Wie im Brennspiegel die durch den Brennpunkt aus verschiedenen Richtungen einfallenden Strahlen vereinigt und dann in parallelen, alle Schichten durchdringenden Linien zurückgeworfen werden, so müßte Vas Gesamtwerk auf den Leser trotz der Fülle des Stoffes klärend und reinigend wirken. Es müßte ihn vom Parteistandpunkt zu einer höheren Betrachtungsform führen, welche den abweichenden Richtungen gerecht wird und am Schaffen der gesamten deutschen Iudenheit ihre Freude findet. Der Plan, eine Aebersicht über die Lage der Juden in bestimmten Zeitmomenten zu schaffen, ist nicht neu-). Der Altmeister der jüdischen Wissenschaft, Zunz, hat uns diese Aufgabe als sein Vermächtnis hinterlafsen. Seine Abhandlung „Die Grundlinien zu einer künftigen Statistik der Iuden"^ die weit hinausgreift über das eigentlich statistische Gebiet, bedeutet nichts anderes als die Mahnung, das Judentum in allen seinen Lebensäußerungen zu erfassen. Die nachstehende Aebersicht des geplanten Inhalts möge erkennbar machen, wie die Verwirklichung der bezeichneten Aufgabe des Jahrbuchs im einzelnen gedacht wird. Es dürften folgende Hauptteile ins Auge zu fassen seiner 1. Einleitende Betrachtung. 2. Religiöse Bewegung. 2) Daß Berthold Auerbach ein Buch mit dem Titel „Wir Juden" hatte schreiben wollen, soll in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. Vgl. Emil Lehmann, „Berthold Auerbach als Jude", Gesammelte Schriften. S. 67. 3) Zunz, Gesammelte Schriften. Vd. I, S. 134. 4) Vgl. Zunz a. a. O. S. 137.