Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Article
- Plan eines Jahrbuchs für das deutsche Judentum
- Date
- 1914-03-01
- Page
- 103 (sequence 2)
- Language
- German
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Plan eines Jahrbuchs für das deutsche Judentum. 103 einen fruchtbaren Kulturboden dar, der auch. nach der Losreißung vom festen Erdreich überall früchtereiche Pflanzen trug, wo er mit wertvollem Samen in Berührung kam. So erscheint das deutsche Judentum als ein ansehnlicher Garten, der sich seiner Gewächse rühmen darf. Aber wo ist der Gärtner, der die Eigenart der einzelnen Pflanzen zu bestimmen vermöchte, der ihren Wert innerhalb der deutschen Kultur und innerhalb der gesamten Iudenheit bemessen wollte? Wir haben Vereinigungen von hervorragender Bedeutung, aber keinen Mittelpunkt, in dem sich alle schöpferischen Kräfte zu gemeinsamer Wirksamkeit versammeln. Wir sind reich an literarischen Unternehmungen; aber es fehlt an einem Spiegel, der das gesamte deutsch-jüdische Wirken in plastischer Klarheit wiedergäbe. And doch ist es eine Zeit des Werdens, Ringens und sich Besinnens, wo jedem, dem das Judentum nahesteht, Gelegenheit gegeben werden sollte, daß man seine Meinung höre. Ein Gesamtbild des deutschen Judentums kann erst geschaffen werden, wenn im großen Ganzen der deutschen Iudenheit jede Richtung als Tatsache hingenommen wird, als Verkörperung eines berechtigten Bedürfnisses. Ein Brennpunkt entsteht erst, wenn alle Richtungen Zusammenwirken, getragen von dem Gedanken, daß es unendlich viele gemeinsame Ziele gibt, mögen auch die Wege auseinandergehen. Es muß aber auch die Gelegenheit dargeboten werden, die Eigenart jeder Auffassung der jüdischen Ideale in ihrer schönsten Blüte zur Entfaltung zu bringen, statt sie zu verdecken. Als Hilfsmittel zu diesem Zwecke darf der Gedanke eines deutsch-jüdischen Jahrbuchs ausgestellt werden. Dieses Jahrbuch müßte aus allen Gebieten, welche die deutsche Iudenheit angehen, ein Bild der Zustände, der Arbeit, der Kämpfe und Errungenschaften eines jeden Jahres geben. Soweit ein Bereich, wie der religiöse, verschiedene Richtungen umfaßt, müßte jede Richtung für sich zum Worte kommen. Sie möge sich schmücken, so schön sie kann, damit der jüdische Garten schön geschmückt sei. Die bedeutendsten Vertreter jeder Richtung müßten für die Mitarbeit gewonnen werden. Nicht um solche Aufsätze könnte es sich handeln, wie sie heute oder morgen in diesem oder jenem Blatte erscheinen, sondern um zusammenfassende Berichte, wie sie nur derjenige geben kann, dem der Ueberblick über das Ganze eigen ist. Auf dem Gebiete der Literatur wäre die literarische Iahresrevue zum Muster zu nehmen, wie sie das Jahrbuch der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur enthalt. Nur wäre den einzelnen bedeutenderen Werken genügend Raum zu widmen, so daß ihre Ergebnisse dargelegt und kritisch gewürdigt werden können. Zugleich müßte das Jahrbuch örtliche und Bezirksberichte ausnehmen. Es muß