Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Article
- Das Haus Oppenheim in Köln in seinem Kampfe für die jüdische Gleichberechtigung
- Date
- 1914-03-01
- Page
- 102 (sequence 6)
- Language
- German
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102 Im deutschen Reich. das große Vaterland zu geben". Des weiteren drängt sich auf Schritt und Tritt der Vergleich mit den heutigen Zuständen wie mit der Art des heutigen Kampfes hinsichtlich unserer Gleichberechtigung auf: die Sache ist im wesentlichen die gleiche geblieben, denn auch wir, und wir noch mehr, vermissen weit weniger die Gesetze als den richtigen Geist ihrer Handhabung; aber der Kampf hat andere, robustere Formen hüben und drüben angenommen, entsprechend der veränderten Form des politischen, wie des Lebens überhaupt. Zuletzt aber mag die Tatsache recht nachdenklich stimmen, daß die Nachkommen von A. und S. Oppenheim ohne Ausnahme wohl den Namen, aber nicht mehr das Glaubensbekenntnis jener wackeren, aufrechten, hochgebildeten KampenfürdiejüdischeSacheweiterführen. Die Tatsache ist doppelt betrübend, wenn man die Geschichte dieses, obendrein mit einer stolzen Kölner Synagoge unlösbar verbundenen Namens versolgt und sich vergegenwärtigt, welche Fülle von Intelligenz, Tatkraft und gemeinnütziger Gesinnung durch den Abfall 'der Familie Oppenheim dem deutschen Judentum verloren gegangen rst. Also im eigenen Hause findet das Wort der Ahnen leider keinen Widerhall mehr, weder in Köln, noch in Dresden,. Berlin oder anderswo; aber im großen Kreise der jüdischen Gemeinde wollen wir seine vornehme, ebenso gut jüdische wie gut deutsche Gesinnung uns gern zu eigen machen! Plan eines Fahrbuchs für das deutsche Judentum?) Von Rechtsanwalt Dr. Ernst Hei! born (Breslau). Im 129. Psalm vergleicht der königliche Sänger das jüdische Volk mit dem Erdboden, in den die Bedränger mit dem Pfluge tiefe und weite Furchen gezogen haben. Dieses Bild, das im Psalm in steter Anschaulichkeit durchgeführt wird» läßt sich weiter ausmalen. Die Juden sind nicht überwältigt worden, weil die schöpferisch befruchtenden und die verarbeitenden Kräfte ihnen erhalten blieben. Das Saatkorn ihrer religiösen und ethischen Gedanken und Empfindungen hat seine treibende Krafr nie verloren, und zugleich stellte das Volkstum *) Dem in diesem Artikel enthaltenen großzügigen Plan wird der mit überaus dringlichen, vielen wichtigen Ängelegenheiten beschäftigte Centralverein erst in späteren Jahren nahertreten können. Der Gedanke eines „Jahrbuchs für das deutsche Judentum" ist aber so. erwägenswert, baß wir ihn schon jetzt der breiteren Oeffentlichkeit unterbreiten, ohne daß der Vorstand des CenLralvereins irgendwie Stellung genommen hat.