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Im deutschen Reich · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. 93

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Article
Geehrte Redaktion!
Date
1914-02-01
Page
93 (sequence 2)
Language
German
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Ein gesandt. 9?. holt zu werden, und das Lied wäre sicherlich ohne Applaus geblieben, wenn die Chansonette nicht einige jüdische Anreden zum Gaudium des zuhörenden Pöbels eingestreut hätte. Nun sind wir ja an dergleichen dumme, bei den Haaren herbeigezogene Finessen gewöhnt, die weder jüdisch noch humorvoll sind, und nur darum als „jüdische gelten, weil sie ganz unlogischerweise im Jargon vorgetragen werden, aber geradezu empörend ist es, daß beide erwähnten Damen Jüdinnen sind. Ich war Zeuge von Vorträgen des ungarisch-jüdischen Varietes in der Taborstraße in Wien. Ein Ekel erfaßte mich bei diesen Vorführungen, die ausschließlich von Juden ausgehen. Pfui! über Juden, die ihr eigenes Volk, dem Hohn und Gespött des andersgläubigen Pöbels preisgeben, um des schnöden Mammons oder des noch schnöderen Beifalls willen. Aber Pfui auch über solche Juden, die dieser Schändung des eigenen Volkes lauten Beifall zollen. In Summa: Verspottet wirklich Lächerliches, auch bei den Juden, denn der Humor soll vor jüdischen Lächerlichkeiten nicht halt machen, aber zollt nicht Beifall Dingen, die weder mit dem Humor noch mit dem Witz etwas Gemeinsames haben und nur dadurch auf die Lachmuskeln des Pöbels wirken, weil sie mit mehr oder weniger gut imitiertem Jargon vorgetragen werden. An die jüdischen Komiker sei die Mahnung zunächst gerichtet, ihr eigenes Volk nicht mit Kot zu bewerfen. Dann aber an das jüdische Publikum, solche Stätten, wo dieser Anfug geübt wird, -u meiden. Möchte dieser Appell an den guten Sinn unserer Volks- und Glaubensgenossen nicht ungehört verhallen. Hosr. Dr. Goldschmidt aus Bad Neichenhall. Der Verfasser des Artikels aus der November- Bummer des Jahrgangs 1913 „Spott und Selbstverspottung^, Herr Dr. A l f r e 5 Gol d s ch m idt, dem wir die Zeilen des Herrn Hofrat Dr. G o ld sch m i d t - R e i ch e n - hall übersandt haben, richtet sich gleichfalls nur gegen bösartigen Spott und bösartige Selbstverspottung. Allerdings ist er der Meinung, daß bei der jetzigen Weltlage keine Gemeinschaft so ernsten Anlaß zur Reserve sowohl gegen Spott wie gegen Selbst- Verspottung hat, wie die jüdische« Das Kabarett, von dem Herr Hofrat G. br-cfiiet, würde nach s iner Meinung u denjeuioen gehören, die von Inden unter allen Amständen gemieden werden müßten. — Das Thema „Spott und Selbstverspottung^ hat, wie aus verschiedenen Zuschriften hervorgeht, lebhaftes Interesse erregt und die Ausführungen haben vielfach Zustimmung gefunden. In einer längeren Besprechung des Themas hat sich u. a. Frau ClaraSamuel in Elberfeld auf die Seite des Verfassers gestellt und ergänzend bemerkt: „Soll statt des Geschmackes an gewissem Witz Geschmack an wahrhaft Künstlerischem werden, so harren die Bemühungen des Centraln--rei^s und der Iugeudkornmisswn der Großlogen auch der Anterstützung der Frauen und Mütter, die ihren Einfluß in der Häuslichkeit geltend machen müssen, damit in die Seelen der Kinder eine edle Auffassung vom Judentum gepflanzt wird. Durch ein

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