Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Article
- Geehrte Redaktion!
- Date
- 1914-02-01
- Page
- 92 (sequence 1)
- Language
- German
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92 3ui deutschem Reich Eingesandt. Geehrte Redaktion! In Nummer 11 des vorigen Jahrgangs Ihrer Zeitschrift, deren Abonnent der AnLerzeichnete ist, findet sich auf Seite 490 ein kurzer Artikel, verfaßt von meinem Namensvetter, der unter dem Titel ,,Spott und Selbst- Verspottung^ den Finger in eine offene Wunde des jüdischen kranken Körpers legt. Ich denke dabei mehr an die Selbstverspottung als an den Spott, der mir zum großen Teil als Folge des ersteren erscheint. Es ist eine jüdische Krankheit, sich über die Volksgenossen, besonders in nichtjüdischen Kreisen, lustig zu machen. Nun gehe ich lange nicht so weit, wie der Verfasser bewußten Artikels, indem ich jeden jüdischen Witz oder iede jüdische Iargonwendung aus der Anterhaltung verbanne. Wir Juden bieten in unseren Manieren, unseren Ausdrücken, ja sogar in unserem Benehmen ganz gewiß so manches dar, was den Spott und die Karikatur herausfordert. Darin unterscheiden wir uns von keiner anderen Bevölkerungsklasse. Der bramarbasierende Franzose, der phlegmatische Engländer, der chauvinistische Magyare, der radebrechende Tscheche, werden mit Recht ebenso verspottet wie der naiv-raffinierte Schwabe, der derb-naturalistische oberbayrische Bauer, der unterwürfige Sachse und der schnoddrige Berliner. Warum soll der Jude eine Ausnabmestellung beanspruchen? Nein — er soll verspottet werden in Dingen, die den Spott herausfordern, und seien wir nicht zu empfindlich, wenn die Farben etwas dick aufgetragen werden. Aber, was wir fordern können ist, daß der Spott aus der Sache selbst hervoraehe. Man verspotte den aufgeblasenen jüdischen Prob, der in lächerlicher Weise sich dem Adel anschmiegt und mit hohen aristokratischen Bekanntschaften renommiert, man verspotte den aufdringlichen jüdischen Schnorrer, der ohne einen Pfennig Geld in der Welt herumkutschiert, faulenzt und es als selbstverständlich ansieht, das; man seine geheiligte Person respektiert. Was aber durchaus empörend wirkt und über das erlaubte Maß des Spottes weit hinausgeht, ist das Vorträgen von absolut uniüdifchen Dingen, die nur dadurch „jüdisch" gemacht werden, daß sie in jüdischem Jargon, begleitet von als „jüdisch" geltenden Gesten zum Vesten gegeben werden. Einige Beispiele. Da war ich in einem Münchner Kabarett zugeg nt, als eine sonst recht gewandte Chansonette unter dem Titel „ein Traum" ein ebenso blödes wie sinnloses Lied vortrug. Ein Jude denkt sich in diesem Traume, ganz Deutschland von Deutschen gesäubert, statt der Gerste und des Korns alle Felder mit Knoblauch bestellt, auf dem Throne den Kaiser Cobn sitzend, als Reichskanzler Herrn Fizin ohn, und den Grafen Vückker in Spiritus mitaeführt. Diesen wirklich abscheulichen Aniinn, der durchaus nichts bat, was die Phantasie oder das Gesvrlch eines Juden je ausgebeckt haben, wurde mit dem Refrain: Das war ein Traum, ein feiner Traum, ein koscherer Traum, ein bekannter Traum! vorgetragen. Ein noch dümmeres Eouvlet wurde ebenda von einer anderen Dame gesungen — eine Obe an Moritz. — Die Schwärmereien der Frau v. Moritz sind zu dumm, um hier wieder-