Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1914-02-01
- Page
- 76 (sequence 2)
- Language
- German
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76 Im deutschen Reich. — In der am 1. Dezember v. I. in Erfurt abgehaltenen, gut gesuchten Eentralvereins-Versammlnng sprach der Syndikus, Herr Rechtsanwalt Dr. Holländer, über das Thema: „Was tut uns not?" Zeitbilder zur Iudenfrage und Winke für die deutschen Juden". Sodann nahm Herr Rechtsanwalt Dr. B l ü L h - Eisenach das Wort zu Ausführungen über den politischen und gesellschaftlichen Antisemitismus, besonders in Thüringen. Beide Redner ernteten großen Beifall. Im Verlaufe der Diskussion äußerten sich die Herren Willy Wolfs und Dr. E u r t H e i l b r u n n über das Verhalten der Geschäftswelt gegenüber den antisemitischen Preßdebatten nach dem Leipziger Turnfest. Im Schlußwort forderte Herr Dr. Holländer die Erfurter Juden auf, bei ähnlichen Gelegenheiten sich nicht zurückzuhalten, sondern durch eine energische Aussprache Abhilfe zu schaffen, wobei es nicht gleich zum Boykott zu kommen brauche. Die Neuwahl des Ortsgruppen-Ausschusses ergab die Wahl der folgenden Herren: Dr. Eurt Heilbrunn (I. Vorsitzender), Leopold Heilbrunn, Reukamp sen., Earl Radelmann, Dr. Ehrlich, Dr. Max Heilbrunn, Rechtsanwalt Dr. Felix Meyer und W. Wolff. — Der Landesverband Oberschlesien des Eentralvereins hielt am 7. Dezember in Gleiwitz seine jährliche Hauptversammlung ab, zu der sich 42 Vertreter aus fast allen Ortsgruppen und kleinen Verbänden eingefunden hatten. An Stelle des leider durch Krankheit verhinderten Vorsitzenden leitete Herr Rabbiner Dr. Gold mann die Versammlung und erstattete den Geschäftsbericht. Rach Erledigung der einleitenden Formalitäten, Wahlen usw. sprach zuerst Herr Iustizrat Koch mann, Gleiwitz, über die wirtschaftliche Lage der Juden in Oberschlesien. Es handle sich vornehmlich um die künftige Entwicklung, da hier dieselben Verschiebungen zugunsten des polnischen Elements sich fühlbar machen, die das Judentum Posens in eine so eigenartige Lage gebracht haben. Freilich besteht die Grundverschiedenheit, daß Posen vorwiegend Landwirtschaft aufweist, Oberschlesien dagegen Ind u st r i e. Am eine feste Grundlage zu gewinnen, wird die Irage einem Ausschuß überwiesen, der bis zum nächsten Verbandstag das Material vorlegen soll. Herr Syndikus Dr. Holländer bespricht hierauf neben mehreren vertraulichen, meist politischen Angelegenheiten im Anschluß an die vorhergehenden Ausführungen die Schaffung einer Wirtschaftszentrale und einer Auskunftsstelle für wirtschaftliche Angelegenheiten. Ferner legte er dar, warum der Centralverein keine Protestversammlungen während des Beilißprozesses veranstaltet habe und kam sodann auf die Wandervogelangelegenheit zu sprechen. Aus der lebhaften und sachlichen D gbatte, welche bekde Referate umfaßte, sei folgendes hervorgehoben: Zur wirtschaftlichen Hebung wird die Schaffung einer Vermittlung für Handwerklehrlingsstellen als notwendig erachtet. Ferner wird betont, daß die wirtschaftliche Frage im engsten Zusammenhänge mit einigen anderen stehe, nämlich die Erhaltung der kleinen Gemeinden durch Grünoung einer Zentralkültuskasse und Aenderung der jetzt bestehenden ungemein harten oberschlesischen Bestimmungen für ausländische Juden. Des weiteren werden Maßnahmen gegen den polititischen Boykott verlangt, der immer mehr überhand nimmt. Im weiteren Verlauf der Debatte wird der verhetzende Kampf des Zionismus behandelt, die Verhältnisse der Monatsschrift werden besprochen und die öftere Entsendung von Rednern, besonders in die kleineren Ortsgruppen, angeregt. — Im Anschluß an die Gleiwitzer Versammlung hielt Herr Syndikus Dr. Holländer noch einige Vorträge in Oberschleften,