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Im deutschen Reich · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. 58

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Article
Der Centralverein in Elsaß-Lothringen
Date
1914-02-01
Page
58 (sequence 2)
Language
German
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5S Im deutschen Reich. zu erringen, behilflich sein muß, die immer und zu jeder Zeit auf dem qui vive 'steht, um offenen und latenten Zurücksetzungen aus antisemitischen oder antisemitelnden Scheingründen für fernere Zukunft vorzubeugen. Er war aus der Zeit der französischen Herrschaft daran gewöhnt, daß befähigte Männer jüdischen Glaubens in Justiz, Verwaltung und Armee jede Stellung im Staate erhalten konnten, ohne ihrem angestammten Glauben untreu werden zu müssen. Eine sehr große Anzahl jüdischer Familien in Elsaß-Lothringen haben heute noch zum Teil sehr nahe verwandtschaftliche Beziehungen zu Ministern, Generälen, Präfekten u. a. m. der jetzigen französischen Republik. Diese Glaubensgenossen, deren Söhnen nach Vollendung der Dienstpflicht als Einjahrig-Freiwillige im deutschen Heere kaum die Beförderung zum Unteroffizier geworden, sahen in unserer Organisation zunächst einen Verein, der nur zu germanisieren beabsichtige und standen deshalb unfern Bestrebungen skeptisch und ablehnend gegenüber. Mit diesen Einwänden sind wir eigentlich im Anterelsaß sowohl wie in Lothringen ziemlich bald fertig geworden, während im Oberelsaß die Verhältnisse noch viel schwieriger liegen. Mit großer Genugtuung kann und muß konstatiert werden, daß wir in Elsaß-Lothringen, politisch und stimmungsgemäß gesehen, bei weitem besser gestellt sind, als in vielen anderen Landesteilen des deutschen Vaterlandes. Die beinahe 200 jährige Zugehörigkeit der beiden Provinzen zu Frankreich, in welche die Zeiten der großen Revolution fielen, ist insofern nicht spurlos am Lande vorübergegangen, als sie weitaus früher als in Baden, Preußen, Bayern usw. den Elsässer Juden die volle Gleichberechtigung mit den Staatsbürgern anderen Glaubens brachte. Fast gleichzeitig mit der Erteilung der Bürgerrechte überhaupt hielt die Emanzipation der Juden in Frankreich Schritt, die Abbe Henri Gregoire angeregt hat, dessen Schrift ..Essai sur la regeneration des juifs” die Akademie von Metz 1788 krönte. Unmittelbar darauf siel vom Elsaß aus der weitere Anhieb: Cerf Berr aus Bischheim bei Straßburg i. E. ist ein Name, der in der Geschichte der Juden des Elsaß in goldenen Lettern stets glänzen wird. Wir haben heute noch unter deutscher Regierung eine aus den Zeiten des Konkordats herrührende Kultusverfassung, die inzwischen freilich veraltet und reformbedürftig geworden ist. Fast sämtliche Rabbinate und Kantorenstellen, mit Ausnahme in den wenigen Trennungsgemeinden, sind staatliche Stellen mit weitgehender Pensionsberechtigung. Die drei israelitischen Bezirkskonsistorien (Straßhurg, Metz und Colmar) sind unsere offiziellen Vertretungen und die staatlichen Bezirkspräsidien sind die oberen Aufsichtsbehörden. Wir haben im Lande bei über 200 jüdischen Gemeinden eine stattliche

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