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Im deutschen Reich · 1914-01-01 · Heft 1 (Januar 1914) · p. 16

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 1 (Januar 1914)
Article
Der Kampf gegen Talmud und Schulchan Aruch
Date
1914-01-01
Page
16 (sequence 2)
Language
German
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16 Im deutschen Reich. wert sein sollen, gleichberechtigte Bürger zu sein! Was bewegt uns alle in diesen Wochen so mächtig? Daß vor einem Gerichtshof ein Jude angeklagt ist, im Namen der Religion ein Kind getötet zu haben. Am diese entsetzliche Verleumdung zu beweisen, werden Stellen aus dem rabbinischen Schrifttum angeführt, die gefälscht und entstellt aus dem Zusammenhang gerissen sind. Die Allwissenheit erhöht die Gefahr. Der Anwissende, der die Lügen üicht nachprüfen kann, glaubt oft dem Lügner. In objektiver Weise wollen wir Talmud und Schulchan Aruch beleuchten und besonders auf die Ethik eingehen, die dieses Schrifttum erfüllt. Dasselbe liegt offen vor jedem Kundigen, und nichts, auch nicht das Geringste, braucht verschwiegen zu werden. Die rabbinische Ethik, aus der biblischen herausgeboren, ist heilig wie die Bibel selbst. Wo es gilt, die Ehre des Judentums zu verteidigen, da hören die inneren Kämpfe auf, da reichen sich alle die Hand und bilden eine gemeinsame Schar von Kämpfern. Was ist der Talmud? — Dem Worte nach — die Lehre. Es gibt in der ganzen Weltliteratur keine Parallele für dieses grandiose Werk, das Disziplinen aller Fakultäten in sich vereinigt. Er gibt uns Kunde von der Aeb er liefern ng und von der geistigen Entwickelung unseres Judentums ungefähr vom Jahre 500 vor bis 500 nach Beginn der üblichen Zeitrechnung. Wehr als 2000 Lehrer haben an seiner Entstehung im Zeiträume eines Jahrtausends mitgearbeitet. Am Sinai schon entspringt die Quelle der mündlichen Aeberlieferung, uralt ist die Tradition Israels, doch eine neue Epoche beginnt mit Esra, der ja Moses an die Seite gestellt wird. In der Zeit des ersten Exils und nach der Rückkehr vom ersten Exil begann eine neue geistige Entwicklung im Judentum. Die neue Zeit verlangte neue Gesetze. Viele Geschlechter von Gelehrten deuteten und erklärten das überlieferte Religionsgesetz nach bestimmten Regeln; religiöse Genies waren oft die Wegweiser, welche die neuen Pfade zeigten. Als das jüdische Volk zum zweiten Male ins Exil wanderre, da schon mußte sich die dem Mutterlande Palästina entrückte Religion den neuen Verhältnissen anpassen. Zwei Ströme waren es, die nebeneinander herlaufend den Talmud durchziehen: Der eine, die tzalacha, wandte sich an 'den Geist, der andere, die Ha gada, an das Gemüt. Wer dem Ankundigen den Talmud schildern will, versucht Anmögliches. Man muß einen Teil seines Lebens dem talmudlschen Studium weihen, um den Talmud zu begreifen. Er war von größter Bedeutung für das innere und äußere Schicksal der Juden: für das innere Leben, denn er ist als Gesetzesquelle anerkannt; ein Gesetzbuch als solches ist er nicht, kann und will es nicht sein. Diskussion ist sein Gepräge; er ist ein Bild des Ringens und Strebens, des geistigen Kampfes und des Suchens nach Wahrheit. Er läßt sich am zutreffendsten viel--

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