Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1913)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1913-12-01
- Page
- 556 (sequence 2)
- Language
- German
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556 Im deutschen Reich. trifft die Russen, die für die ^Unterdrückung der dortigem Juden den Popanz -eines sektiererischen Relionsverbreche Z suchen, indem sie dem Judentum in seiner Gesamtheit den Vorwurf entgegenschleudert) das Verbrechen schützen. And die „Nowoje Wremja" grüßt den Bruder dankbar um dieser Hilfe wegen." Traurig und beschämend wie die ganze Kiewer Asfke war die Berichterstattung vieler deutscher Blätter. Von der gesamten antisemitischen Meute aller Schattierungen konnte nnneine objektive Berichterstattung nicht erwarten. Leider aber kt; vielleicht nicht aus Bosheit, aber aus Oberflächlichkeit, eine Anzahl anständiger Blätter nicht ohne Vorurteilslosigkeit berichtet. So ist von dem Berliner Korrespondenzbureau Wiemann eine gleichlautende Notiz an zahlreiche P r o v i n z b l ä t t e r eingesandt worden, in der zwar das Vorgehen der russischen Anklagebehörden in Kiew scharf getadelt wurde, aber der nachstehende Satz enthalten war: „Dagegen wurde von Sachverständigen festgestellt, daß es tatsächlich jüdische Sekten in Rußland gegeben hat, die Menschenblut zu rituellen Zwecken, Besprengungen von Türpfosten usw. verwandten." Das betreffende Bureau hat sich trotz unserer Beschwerde nicht dazu verstanden, die gegenteiligen Aeußerungen von wirklicher Sachverständigen' nachträglich zu veröffentlichen, wonach das Nichtvorhandensein solcher jüdischer Sekten in Rußland festgestellt ist. Wir setzen voraus, daß ein solches Verhalten vorurteilslose Redaktionen veranlassen wird, in der Aufnahme derartiger Berichte künftig vorsichtig zu sein. Wir Juden haben in Deutschland nicht nur mit den feudalen agrarischere Judengegnern zu rechnen, sondern auch mit den antisemitischen Alldeutschen, die uns vielleicht nicht durch Auffrischung des Ritualmordmärchens in unserem religiösen Empfinden kränken, aber in einem selbst von der russischen nationalistischen „Nowoje Wremja", der sie in antisemitischen Fragen sehr nahe stehen, als „Chauvinismus" bezeichneten. Nationalismus aus unblutigem Wege dasselbe anstreben wie jene, nämlich die Behandlung der Juden als „Fremdkörper". Die deutschen Juden haben aber dieses Land mit Gut und Blut mit verteidigt, selbst gegen einen Feind, der wie Napoleon nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland die Lage der Juden verbessert hatte. Die besten Männer des deutschen Volkes sind'auch längst davon überzeugt, daß die deutschen Juden, wenn einst das deutsche Vaterland zu den Waffen rufen wird, hinter keiner anderen Religionsgemeinschaft an Opferfreudigkeit und militärischer Tüch-