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Im deutschen Reich · 1913-12-01 · Heft 12 (Dezember 1913) · p. 552

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 12 (Dezember 1913)
Article
Wandervogel
Date
1913-12-01
Page
552 (sequence 6)
Language
German
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552 Im deutschen Reich. wird es nach Sachlage der Dinge selbstverständlich finden, wenn vorher die Parole galt: nicht aus tr eten. Vielleicht hat der Bundestag zum Austritt gezwungen. Wir glauben es heute noch nicht. So lange wie möglich sagen wir, wir dürfen dem Antisemitismus nicht das Feld überlassen. Denn glauben wir nicht, daß es nur darauf ankommt, die Juden aus dem Wandervogel herauszuwerfen und!daß die Hetzerei damit aufhören würde, daß der Wandervogel „judenrein" ist. Selbst das wäre schon schlimm genug. Denn gerade in solchem „antisemitischen Milieu", in dem gar nicht viel über Judentum gesprochen wird, jede Aeußerung aber einen gewissen verächtlichen Beigeschmack hat, da wird in den Kindern dies so gefährliche „ursprüngliche Gefühl" erzeugt, das nachher als unwiderleglicher Beweis für die Berechtigung des Antisemitismus gilt. Aber hier soll ja noch, viel mehr erreicht werden. „Die Anwesenheit eines einzigen Hebräers macht die Behandlung völkischer Fragen unmöglich", klagt Herr Ph. Staufs in der Wandervogel-Führerzeitung. Allerdings, sobald ein Jude in der Gruppe ist, der sich die Achtung seiner Kameraden erworben hat, ist der antisemitischen Hetzerei das Wasser abgegraben. Im Wandervogel selbst must der Kampf durchgefochcken w^erd e n. ~ ~~[~j Selbstverständlich darf die Gefahr nicht unterschätzt werden. Es gibt auch Wandervögel, die am liebsten den Kopf in den Sand stecken möchten. Aus Liebe zum Wandervogel, aus Angst, sich von dieser Bewegung, mit der sie sich so fest verwachsen fühlen, trennen zu müssen, erklären sie immer noch, sie wüßten nichts vom Antisemitismus. Ihnen müssen wir klar machen (es handelt sich ja meistens um ganz junge Menschen, die sehr leicht zu beeinflussen sind), wie wenig sie sich Achtung in den Augen ihrer Kameraden erwerben können, wenn sie Beschimpfungen, wie die der Führerzeitung, einfach auf sich sitzen lassen, oder wenn sie tatenlos warten, bis vielleicht ein formeller Beschluß der Ortsgruppe zwar nicht sie, aber alle Juden, die sich nach ihnen melden, ausschließt. Durch persönliche Aufklärungsarbeit ist noch sehr viel zu erreichen. Es ist nicht wahr, daß die ganze Führerschaft des Wandervogel antisemitisch ist. Wohl aber hat für sehr viele die Frage gar kein. Interesse. Eine ganze Reihe von Gauleitungen hat z. B. nur deshalb nicht gegen das Lrlachsche Flugblatt und die Wandervogel-Führerzeitung Protest erhoben, weil ihnen die ganze Angelegenheit unwichtig erschien. Das vorhandene Material beweist, wie weit dieses Gift bereits gedrungen ist. Daraus muß der Schluß gezogen werden, daß es im gegenwärtigen Augenblick nicht nur daraus ankommt, eine Gesinnung zu haben, sondern auch sie zu betätigen. An Hand des Flugblatts und der Führerzeitung ist es nicht schwer, Bundes-

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