Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Article
- Zur jüdischen Wirtschaftspolitik
- Date
- 1913-11-01
- Page
- 517 (sequence 2)
- Language
- German
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Eingesandt. K 0113 c n t r a t i o n im Wirtschaftsleben, die Organisation des Konsums» die damit zusammenhängende Ausschaltung des Zwischenhandels und die Mechanisier u it $ u n d Vereinfachung zahlreicher Betriebe (Bankfach!) als allgemeine aber auf die wirtschaftliche Entwicklung der Juden ganz besonders stark ungünstig einwirkende Momente, und die immer mehr klar zutage tretende Tendenz der Rückdrängung des jüdischen Angestellten aus den leitenden Positionen sowie (als exogene Arsache) den andauernden Verlust durch Uebergang von alten Firmen und Vermögen infolge von Taufen und Mischehen als spezielle Momente, die Schuld an dem Rückgang des wirtschaftlichen Einflusses der deutschen Juden tragen, hervorgehoben. Ich habe dabei, wohl im Gegensatz zu Herrn Becker, der dieser eminent wichtigen Frage leider nicht die gebührende Beachtung schenkt, immer und immer wicder mit besonderer Dringlichkeit auf die schwierige Lage der jüdischen A n g e st e l l t e n ma s s e n, die uns in gleichem Maße wie das Problem des jüdischen Mittelstandes beschäftigen muß, hingewiesen und hier, in Erkenntnis der Tatsache, daß wir einerseits kein Recht zur Kontrolle der Privatfirmen haben, daß aber andererseits gerade vor allem die großen aktiengcsellschastlich konstruierten Konzerne antisemitische Angestelltenpolitik betreiben, gewisse positive Vorschläge gemacht. Diese gipfelten vor altem darin, daß die von mir befürwortete „Jüdische Wirtschastszentrale" systematisch die Kontrolle der Aktiengesellschaften in bezug auf ihre Politik den jüdischen Angestellten gegenüber übernehmen und ihre Vertreter mit im Rotsall geliehenen Aktien in die Generalversammlungen schicken solle, wo sie — was im Rahmen der Geschäftsordnung an sich durchaus statthaft ist — die berechtigten Wünsche der jüdischen Angestellten oder Angestelltenaspirantcn mit Nachdruck vertreten und eventuell das Prinzip, überhaupt keine Juden anzustellen, scharf geißeln sollten. Ich versprach mir davon — und ich bin inzwischen durch praktische Erfahrungen in meiner Ansicht bestärkt worden —, ba[} die Furcht vor dem Verlust der'jüdischen Groß- und Dctaillistenabnehmer, die aus der Handclspresse über derartige Vorfälle in Generalversammlungen unterrichtet würden, die Aktiengesellschaften in der großen Mehrzahl nach einer derartigen Interpellation zu einer gründlichen Aenderung ihrer Angestclltenpolitik bewegen würde. Ganz besonders erfolgreich denke ich mir übrigens ein solches Vorgehen bei den Banken, die ja leider beute zu einem erschreckend großen Prozentsatz — zu einem weit höheren als die Oeffentlichkeit ahnt! — das jüdische Angestelltenelement boykottieren. Hier würde die Interpellation der General» Versammlung bei unbefriedigerrddm Ausgange, sofern nur die „Wirtschaftszen träte* ihre Schuldigkeit tut, zweifellos ein für die Bankleitung höchstunangenehmes Abfließen von jüdischen Depositengeldern und ein Abströmen der jüdischen Effekten und Kontokorrentkundschaft nach sich ziehen, so daß manche Bank es sich unter diesen Amständen sehr überlegen würde, ob sie nicht besser täte, nunmehr auch den Juden — weiß Gott nicht den schlechtesten Bankbeamten — die gleichen Rechte in der Praxis wie den übrigen Angestellten zu gewahren. Auf alle diese aus»