Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Article
- Wirtschaftlicher Zweckverband für die Juden der Ostmark
- Date
- 1913-11-01
- Page
- 515 (sequence 1)
- Language
- German
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Eingesandt. 515 Eingesandt. Frankfurt a. M., 6. Oktober 1913. Die Ausführungen über wirtschaftlichen Aweckverbanfür -re Zu-en -er Mstmark sowie über Bevölkerungsfragen und Innenkolonisation in Br. 10 Ihrer Zeitschrift „Im Deutschen Reich" geben mir Veranlassung zu nachstehenden Zeilen: Gewiß sind die Gründe, die in den besagten Artikeln für die Abwanderung der Juden nach den großen Städten aufgeführt sind, zutreffend, und ebenso auch sind die Vorschläge, die zur Verminderung der Abzüge von den kleinen Plätzen gemacht werden, beachtenswert. Von wesentlicher B<deutung aber dürste es sein, für die auf kleinen Plätzen wohnenden Glaubensgenossen Mittet und Wege zu finden, ihre Existenz in auskommender Weise auch in Dörfern und kleinen Plätzen zu gewinnen; denn zweifelsohne liegt doch in der verminderten Eristenzmöglichkeit mit ein G^rund für die Auswanderung. Diese Ermöglichung einer wirtschaftlichen und ausreichenden Betätigung erscheint mir auf dem Gebiete der Geflügelzucht und des Obstbaues gegeben. Ich darf darauf Hinweisen, daß wir in Deutschland jährlich etwa 160 Millionen für Eier, 30 Millionen für Ganse, 30 Millionen für Hühner und 100 Millionen für Obst an das Ausland zahlen, und daß es somit für die Interessen unseres Vaterlandes von höchster Wichtigkeit und Bedeutung wäre, wrnn wir diese Summen, oder wenigstens einen Teil derselben, dem Intairde erbalten könnten. Bekannt ist ja, daß bereits Dänemark und auch Belgien bedeutende Erfolge und große Einnahmen gerade ans dem Gebiet der Geflügelzucht erzielten. Es gibt in Dänemark eine große Anzahl, von Eier-Versandgenossenschaften, die in kleinen Kreisen über das ganze Land verteilt sind. Jeder Kreis hat seinen Vertrauensmann, der die mit der Bummer des Mitgliedes und des Kreises gestempelten Eier annimmt. Die Anlage von Geflügelzüchtereien wird auch dort dadurch gefördert, daß der Staat bei dem Nachweis eines bestimmten Vermögens dem Betreffenden eine im gewissen Verhältnis zum Eigenvermögen stehende Summe zinslos zur Verfügung stellt. Bei einzelnen Anstalten steht der Lierertrag im Vordergrund, bei anderen auch die Mastbetriebe. Bekannt ist ferner der Export dänischer Butter, auch hier beruht der Erfolg auf dem Zusammenschluß der Genossenschaften. Die großen Fortschritte, welche heute auf .dem Gebiete des Obstbaues in- Deutschland sich entwickeln, der steigende Odstkonsum Ln allen Kreisen, lassen mit Sicherheit eine genügende Rentabilität für diejenigen Betriebe erwarten, die in rationeller Weise die wirtschaftlichen Erfahrungen Ln die Praxis umsetzen und die ferner vor allem nach kaufmännischen Prinzipien geleitet werden. Der Anbau einheitlicher Sorten uird zwar solcher Sorten» welche dem betreffenden Boden entsprechen, ermöglicht einen sicheren und guten Absatz auf dem Markte der Großstadt. Die Verbindung von Obstbau und Geflügelzucht in einer Gegend und durch denselben Landwirt ist ohne weiteres möglich.