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Im deutschen Reich · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. 504

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Article
Berlin / L.
Date
1913-11-01
Page
504 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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504 Im deutschen Reich. Korrespondenzen. ** Berlin, 22. Oftober. Die Bedeutung der Rede, die der General der Kavallerie v. Kleist seinerzeit auf dem konservativen. Parteitage in Kolbcrg gehalten und dann in etwas erweiterter Fassung unter dem Titel „Deutschland und Preußen" im Juli d. I. der „Deutschen Tageszeitung" zur Veröffentlichung überlassen hat, kann nur als eine traurige Entgleisung bezeichnet werden. Ein preußischer General äußert sich wörtlich: „Ist es denkbar^ daß wir einem Volke Zutritt zur Armee gestatten und ihm damit auch den Schuh des Thrones anvcrtrauen, oas zugleich der Sozialdemokratie die Führer stellt und sie zum Sturm gegen eben diesen Thron führt'?"... General v. Kleist stellt dem deutschen Volk ein grobes Armutszeugnis aus, wenn er, um nur das Offizierskorps im Widerstand gegen die Juden zu bestärken, deren vermeintliche Macht wie folgt übertreibt: „Würden sie Offiziere und Staatsbeamte, dann würde ihre Herrschaft eine vollkommene sein. Ihre Religion und Gesehesvorschriften weisen sie darauf hin, uns zum Schemel ihrer Füße zu machen. Der Vorwurf trifft allein das deutsche Volk, das sich von der Klugheit, Zähigkeit und Geschastsgewandtheit des Judentums hat überwinden lassen." — Der Herr General ist unverkennbar bei den Antisemiten in die Schule gegangen; er übertreibt die Errungenschaften der Juden, die nichts weiter erstreben als Gleichberechtigung, und er sucht deutschen Männern Furcht vor einer Bevölkerungsminderhcit einzujagen, um diese ganz zu unterdrücken. Er greift tne Worte und Taten einzelner auf, um der Gesamtheit der Juden das deutsche Vaterland abzusprechen und sie der Aufnahme in irgendein Offizierskorps unwürdig zu erklären. Er scheint sich gar nicht bewußt zu sein, daß es immerhin noch eine Anzahl von jüdischen Offizieren und Sanitätsoffizieren der Reserve und Landwehr und jüdische Subalternoffiziere gibt, und daß er die Achtung vor diesen und damit die Disziplin im Heere untergrabt. Hat sich wohl der Herr General die Juden im Heeresdienste jemals genauer angesehen? * — Wie weit der Antisemitismus t u einzelnen tierärztlichen Kreiser: das kollegiale Verhältnis getrübt hat, geht deutlich aus nachstehendem Inserat in der „Berliner Tierärztlichen Wochenschrift" vom 2. Oktober d. I. hervor: „Wegen schwerer Erkrankung des Kollegen Evers in Arhs (Ostpreußen) wird vorläufig ein Vertreter gesucht. Entschädigung 10 M. pro die und Rebenerwerb durch Praxis. Bei voraussichtlicher baldiger Neubesetzung der Schlachthausstelle würde derselbe zuerst Berücksichtigung finden. Die anscheinend von dem jüdischen Apotheker in Arhs in der letzten B. T. W. unter Osyra 354 eingerückte Annonce ist identisch mit vorliegender Ausschreibung. Natürlich ist, daß diejenigen Kol-

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