Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Gegner des Gleichberechtigungskampfes
- Date
- 1913-10-01
- Page
- 450 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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450 Im deutschen Reich. höchstens über den Weg, der am schnellsten und sichersten an das ersehnte Ziel führte, und als Feind galt — abgesehen von den äußeren Mächten des Unrechts und des Hasses — nur die Gleichgültigkeit in den eigenen Reihen. heute, da man glauben könnte, daß der Gleichberechtigungsgedanke eine selbstverständliche Grundlage aller jüdischen Arbeit geworden ist, regt sich jedoch im eigenen Lager Widerspruch mannigfaltiger Art, der entschiedener Abwehr bedarf. Galt auch vielleicht ursprünglich manche Gegnerschaft eher dem Centralverein als konkreter Organisation, denn den von ihm vertretenen Zielen, so mußte ein solcher Zwist im Laufe der Zeit auch auf die Grundlage selber ungünstig einwirken. Als Korporation vertritt der Centralverein — die gegenteilige Behauptung wird ihm zu Unrecht untergeschoben — nur seine Mitglieder, nur jene deutschen Juden, die sich ihm freiwillig angeschlossen haben, aber daß seine Ideen nicht etwa beliebig geschaffene Vereinssatzungen sind, sondern unbedingte, grundsätzliche Voraussetzung für jede jüdische Arbeit, die Erfolg versprechen soll, muß gerade in Zeiten innerer Zwietracht betont werden, wird auch leicht von jedem eingesehen werden, für den jüdische Interessen sich nicht mit den Streitpunkten ihrer politischen Organisationen decken. Die Gegnerschaft, die anfangs hier und da vereinzelt auftauchte, die aber heute immer starker sich erhebt, ist nicht einheitlicher Natur. Sie tritt in zwei Lagern auf und ist ihrem Wesen nach eine sachliche und eine formale. Sie richtet sich in ihrem einen Teile gegen das Ziel der Gleichberechtigung an sich und bestreitet ihre grundlegende Bedeutung für die jüdischen Interessen. Der andere Teil wendet sich nur gegen die Wichtigkeit, die gerade diesem Punkte beigemessen wird, und sieht in dem Kampf um das Recht eine Art jüdischer Betätigung, deren Wert von vielen anderen Aufgaben bedeutend übertroffen wird. Jene Gegner nun, die das Ziel des Centralvereins als unwesentlich, ja als schädlich für das Gesamtwoht des Judentums betrachten, gehen von der gewiß richtigen Voraussetzung aus, daß die höchsten Güter des Judentums seine religiösen sind, zu deren Erhaltung die Gewissensfreiheit und die Möglichkeit ungehinderter religiöser Betätigung durchaus notwendig sind. Alles was diesem Inhalte des Judentums verderblich werden kann, lehnen, sie darum ab. Nun sind sie ferner der Anschauung, daß der Kampf um die Gleichberechttgung. besonders dort, wo er Erfolg hat, der jüdischen Religion Abbruch tut, die einzelnen Juden dem religiösen Brauch und dem religiösen Gedanken entfremdet, und im Interesse der Erhaltung des Judentums selber wenden sie sich gegen die völlige Durchführung der Gleichberechtigung.