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Im deutschen Reich · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. 410

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Article
Antisemitische Aeußerungen von Lehrern aus letzter Zeit
Date
1913-09-01
Page
410 (sequence 2)
Language
German
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410 Im deutschen Reich. Die von der Vorgesetzten Behörde eingeleiteten Ermittlungen sind erst nach längerer Zeit zum Abschluß, gelangt. Der uns schließlich zugegangene Bescheid des Großherzoglich hessischen Ministeriums des Innern lautet: „Auf Ihre Eingabe vom 11. Januar d. Is. benachrichtigen wir Sie, daß es nach dem Ergebnis der von uns angestellten Ermittlungen nicht als erwiesen angesehen werden rann, daß Lehramtsreferendar Dr. Schäfer in Büdingen gerade die ihm nach Ihrem Schreiben zur Last gelegten Aeußerungen über die Juden getan hat, wenn schon er sich ungehörige Ausfälle gegen sie in Gegenwart anderer Mitreisenden hat zuschulden kommen lassen. Dieses sein Verhalten ist ihm verwiesen worden." 2. Vor einigen Monaten erklärte der Lehrer R o h r b a ch in der Schule zu Bisch Hausen im Kreise Eschwege seinen Schülern im Unterricht den Menschen. Nachdem er sich davon überzeugt hatte, daß die einzige jüdische Schülerin der Klasse nicht anwesend war, behauptete er, die Juden machten zwar drei Wochen vor ihren hohen Feiertagen die Wohnungen rein, aber nach 2—3 Tagen sehe es bei ihnen ebenso schmutzig aus wie vorher. Hm den konfessionellen Frieden am Orte, in dem nur zwei jüdische Familien wohnen, nicht zu stören, versuchten zwei Herren ans Eschwege, die Angelegenheit auf privatem Wege durch Rücksprache mit dem zuständigen Ortsschulinspektor aus der Welt zu schaffen. Da dieser Versuch fruchtlos blieb, wandten wir uns an die Königliche Regierung zu Cassel, deren Bescheid lautete: „Nach Feststellung der Tatsachen haben wir gegen den Lehrer Ro'hrbach in Bischhausen, Kreis Eschwege, unter Hinweis auf unsere Verfügung vom Io. November 1890 B. 11207 das Erforderliche veranlaßt." Diese Verfügung hat folgenden Wortlaut: „Es ist in der letzten Zeit mehrfach vorgekommen, daß israelitische Erwachsene und Kinder von christlichen Schülern öffentlich in ihrer Eigenschaft als Juden geschmäht und verhöhnt worden sind. Nach den stattgefundenen Ermittlungen haben es einzelne Lehrer nicht bloß an der gebührenden Bestrafung der Schulkinder fehlen lassen, sondern sogar hier und da durch ihre eigene unvorsichtige Haltung einer in solchen Austritten sich kundgebenden unchristlichen Lieblosigkeit Vorschub geleistet, was wir als Schulaufsichtsbehörde vom pädagogischen Standpunkte aus entschieden mißbilligen müssen. Ew. Hochwürden pp. wollen deshalb Veranlassung nehmen, in der nächsten amtlichen Lehrerkonserenz die Aufmerksamkeit der Ihnen unterstellten Lehrer auf diesen Punkt hinzu lenken und denselben zur Pflicht zu machen, daß sie solchem für die Schulzucht schädlichen Treiben überall mit Entschiedenheit ent-

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