Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 8 (Juli 1913)
- Article
- Eine interessante Berichtigung
- Date
- 1913-07-01
- Page
- 372 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316829-2316836-2347466--23784-2347539- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
372 Im deutschen Reich. Vorsitzender: Ich möchte in der Tat bitten, daß Sie die Tribüne verlassen. Wir sind ein Verein von Menschen, die deutsches Wationalgefühl haben. Wenn Sie erklären, Herr Dr. Brünn, daß, wir kein deutsches Nation-algefühl haben, so kann ich Ihnen die Tribüne dieses Saales nicht zur Verfügung stellen. Dr. Brünn: Ich muß diesen Standpunkt als ängstlich und feige bezeichnen." Dann hat Herr Dr. Brünn, statt nun sich ruhig auf seinen Platz zu begeben, sich auf einen Tisch gestellt ünd wiederholt .Schimpfworte in den Saal Hinei n g e s ch r i e e n. Infolgedessen mußte der Vorsitzende der Versammlung Herrn Dr. Brünn den Gebrauch des Hausrechts androhen, um bei diesem empörenden Verhalten einigermaßen die Ruhe wieder herzustellen. — Nicht nur in den radikal-antisemitischen Blättern, sondern auch in den „Münchner Neuesten Wachrichten", in den „Leipziger Neuesten Nachrichten" u. a. m. ist bald nach der Eentdeckung der Verräterei des österreichischen Generalstabsoberst Redl die Behauptung der „Ostdeutschen Rundschau" wiedergegeben worden, Redl sei in dritter Generation aus einer polnisch-jüdischen Familie in Galizien hervorgegangen, wo seine Verwandten noch leben sollen. Nach den von der Oesterreichisch-Israelitischenltnion in Wien angeregten genauen Erhebungen im magistratisch.en Konskriptionsamte in Lemberg und bei der dortigen Staatseisenbahndirektion ist Nachstehendes festgestellt: Alfred Redl wurde im Jahre 1864 in Lemberg geboren als der Sohn des 1820 in Wien geborenen und nach Wien zuständigen späteren Bahnexpedienten Franz Redl, der ebenso wie seine Frau Mathilde geb. Chitil römisch-katholischer Konfession war. Da es 1820 in Wien nur „Schutzjuden" gab, die sämtlich in der Provinz zuständig waren, die Familie Redl aber nachweislich in Wien zuständig war, steht fest, daß auch die Großeltern Alfred Redls, der selbst allgemein als ein besonders frommer Christ galt, ebenfalls Christen gewesen sind. Die in der „Wahrheit" vom 14. Juni aufgestellte Behauptung, daß die „Mutter des gemeinsten Verbrechers aller Zeiten" eine geborene „Sternberg" war, ist, nach den obigen amtlichen Angaben, das Gegenteil' einer „Wahrheit". — Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Verlagsbuchhandlung von A. Giegler in Leipzig bei Absendung von Bestellungen auch Erzeugnisse antisemitischer Art aus dem bekannten Verlage von W. Giese in Berlin beilegt. Es ist dringend zu wünschen, daß die Juden, die Sendungen mit solchen Beilagen erhalten, sie mit dem Vermerk zurückweisen, daß sie sich derartiges verbitten. — Unsere im vorigen Heft veröffentlichten Versammlungsberichte ergänzend, tragen wir nach, daß im Monat März in Harburg a. d. Elbe eine von Herrn Rentier Julius Olendorfs geleitete Centralvereinsversammlung stattfand, in welcher der Vereinssyndikus, Herr vr. Holländer, über „Wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Antisemitismus und dessen Bekämpfung" sprach. In dieser Versammlung meldete sich eine ansehnliche Zahl neuer Mitglieder. — In Ostfriesland haben die Herren Prediger S. Goldmann-Herford und L. Ja-