Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 8 (Juli 1913)
- Article
- 2. Erwiderung
- Date
- 1913-07-01
- Page
- 358 (sequence 1)
- Language
- German
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358 Im deutschen Reich. 2. Erwiderung. Von IustizraL S a l i n g e r, Oppeln. Herr Sachs bleibt bei seinen Behauptungen und wiederholt sie, ohne neue Beweismittel beizubringen. Die Wiederholung einer falschen Behauptung macht sie aber nicht richtig. (Er, der Mann der Wissenschaft, ertlärt, daß ihm die Wissenschaft nicht imponiere, weil „alles fließt''. Schön, wenn alles der Veränderung unterworfen ist, sollte da nicht auch Herrn Professor Sachs vertretene Meinung noch änderungsfähig sein? oder hält er seine Aeberzeugung für der Weisheit letzten Schluß? Wo sind denn die unangenehmen RasseneigenLümlichkeiten der Juden, die nicht auf ihre traurigen Schicksale im Ghettozeitalter zurückzuführen sind? Als wir in die Sklaverei des Mittelalters gedrängt wurden, da waren wir selbstverständlich nicht „ein wesenloses X", sondern Menschen, aber eben nur Menschen, d. h. so gut und so schlecht wie andere. Wodurch wir uns damals in schlechten Dingen vor den anderen auszeichneten, das sagt Herr Sachs nicht, und ich weiß es nicht. Nebensächlich ist die ganze Rafsenfrage auch nicht; denn aus der durch die Nasse angeblich bedingten Minderwertigkeit der Juden leiten nicht bloß fanatische Antisemiten fortgesetzt ihre stärksten Widerstände gegen unsere Menschen- und Bürgerrechte her, sondern leider noch jetzt viele sonst gerecht denkende (Christen. Das ist auch der letzte Grund, weshalb uns unsere Feinde die wahre Vaterlandsliebe nicht zugestehen wollen, und Herr Sachs gibt ihnen — sicherlich unbeabsichtigt — mit seinen Ausführungen sogar den Schein einer Berechtigung dazu. Die Liebe nämlich, die nicht völlig unbeeinflußt von selbst aus innerster Seelenregung quillt, sondern nur auf Pflichtgefühl beruht, ist keine echte Liebe. Damit ist natürlich nicht gesagt, daß nicht neben der Liebe die Pflicht durchaus zu ihrem Rechte kommen muß, im Gegenteil: je mehr wir unser Vaterland innerlich lieben, um so energischer und opferungsfreudiger werden wir „auch handelnd für dasselbe eintreten". And nun die Hauptsache, das Verhältnis unserer Religion zur Politik. Da wird es mir schwer, auf die Sachsschen Ausführungen zu antworten, schwer, nicht etwa deshalb, weil das Gewicht seiner Gründe zu groß ist, sondern nur darum, weil das, was er sagt, schon so oft widerlegt worden ist, daß ich fürchten muß, allzusehr mit Gemeinplätzen zu arbeiten. Angeheuerlich nennt er meine Frage, was die Religion mit der Politik zu tun habe. Run, ich glaube, daß zahllose religiös gerichtete Menschen dieselbe Frage auswerfen werden. Ich bin kein Atheist, aber ich meine, wie ich innerlich mit meinem Gotte stehe, das hat wirklich nichts damit zu tun, ob ich für Schutzzollpolitik bin oder für Freihandel, ob ich das allgemeine, direkte, geheime Wahlrecht für empfehlenswert halte oder gewisse Einschränkungen der großen Masse, ob ich die Wehrsteuer' ausschließlich auf die Schultern der Neichen legen will oder es für heilsam erachte, auch kleinere Vermögen heranzuziehen, usw. Nach dem Religionsemyfinden will Herr Sachs entscheiden, ob eine Partei „staatserhaltenv" ist oder nicht. Ja, was'ist denn staatserhaltend? Hier könnte ich ihm sein Ui“ mit t>\zl größerem Rechte entgegenhalten.