Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 7 (Juni 1913)
- Article
- Jugendverband und Centralverein
- Date
- 1913-06-01
- Page
- 312 (sequence 9)
- Language
- German
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312 Im deutsch eil Reich. gegenüber vorgegangen wird. Der Centralverein sagt sich: Es ist nicht richtig, im Interesse des Judentums, diese Vorkommnisse alle an die große Glocke zu hängen. Die meisten unserer Iugendvereinsmitglieder und speziell unsere Führer sind nicht nur Mitglieder, sondern begeisterte Mitglieder des Centralvereins, die sich Arbeit ailf jüdischem Gebiet ohne den Staatsbürgerkampf des Centralvereins nicht denken können. Die meisten von uns — ich leugne es auch von mir nicht — sind erst durch die - Arbeit im Centralverein auf einen positiven jüdischen Boden gekommen. Was würde die naturgemäße Folge einer Trennung fein V Wir würden einen erheblichen Deik unserer Mitglieder verlieren, nnd was mir noch viel wichtiger ist, wir würden die Sympathien und die warmen Interessen eines großen D eil es der deutschen Iudenheit, wenn nicht für immer, so doch für lange Zeit, verloren haben. Aun wird mir wohl nachher ein zionistischer Freund mit dem Linwand kommen: Wartet doch ein paar Wochen, es kommt dann eine neue neutrale Staatsbürgerorganisation. Meine Damen und Herren! Ich will darüber keine heiteren Dinge sagen, obscholl e§ naheliegt; im Gegenteil, ich will konstatieren, daß die Central- Vereinsresolution einell ganz ungeahnten und überaus begrüßenswerten Erfolg gehabt hat, daß nämlich der offizielle deutsche Zionismus sich jetzt mit niegeahnter Verve in den Staatsbürgertampf werfen will. Ich will mich nicht darüber auslassen, wie unendlich dem Staatsbürgerkampf geschadet wird, wenn zwei Organisationen vor der nichtjüdischen OeffentlichkeiL als Vertreter der staatsbürgerlichen Interessen der deutschen Juden sprechen und wouröglich miteinander kämpfen. Aber ich muß unverhohlen meiner Genugtuung darüber Ausdruck geben, daß anscheinend auch unsere Erziehungsarbeit bei den Zionisteil von niegeahntem Erfolge begleitet gewesen ist (Beifall); denn eine so begeisterte Vorschußlobrede auf die Aeutralität der geplanten neuen Organisation haben wir aus unserem Munde noch niemals über den Aeutralitatsgedanken gehört. (Stürmische heiterkeit.) Meine Freunde! Wir würden, wie ich sagte, das Gros vieler Vereine mib vieler Mitglieder verlieren: und dann brauche ich nur die Frage aufzuwerfen, um die Antwort schon auf Ihren Gesichtern zu leseri: Würden deshalb die Sympathien der Zionisten sich uns mehr zuwenden? (Zurufe: Nein! Zuruf: Jawohl!) Dies Jawohl ist mir etwas außerordentlich Wertvolles und ich verspreche dem Zwischenrufer, im Verlaufe meiner Ausführungen, noch darauf znrückzukommen. — Ich habe es feit Jahren abgelehnt, ü b er d a s V e r h ä l t n i s d e s Z i o n i s m n s z u u n s e r e m V e r - b a n d zu neben; ich habe nur immer gesagt, daß ich Verständnis dafür haben könnte, wenn eine gewisse Strömung der zionistischen Partei sagt: Wir können uns den Iugendvereinen nicht sympathisch gegenüberstellen, die sind uns gefährlich — und ich habe immer gesagt: Hut ab vor der Aeberzeugung, die o f \ e n sagt: heraus ans bon Iugendvereinen, Gegnerschaft gegen den Iugendverein oder wenigstens keine Sympathie für die Iugendvereine. Aber gestatten Sie mir heute, nicht etwa über das Verhältnis der Zionisten zu uns, s o n d e r n in offiziellster Weise über das Verhältn i s u n s eres Verbandes z n r de u Lsche n Z i o n i st e n - Partei zu sprechen. Ich habe gedacht, daß der nächste Satz, ben ich aussprechen muß, nie über meine Lippen zu kommen brauchte. Wir sind von keiner Seite so schändlich und