Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Die Hygiene der Juden [Rezension]
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 277 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316829-2316834-2347184--23620-2347317- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bücherschau. 277 sind ihnen fast wie Wechselbegriffe." So charakterisiert Grunwald in seiner einleitenden Abhandlung zutreffend diese Grundlagen des Judentums, wie sie uns in den Satzungen und Verordnungen der Thora, des Talmuds und gleichgeordneter Gesetzessammlungen entgegentreten. Es gereicht der pädagogischen Einsicht der jüdischen Weisen und.Gesetzgeber zu hoher Ehre, daß sie einem kindlichen und wenig kultivierten Volk die Satzungen der Hygiene nicht als solche, sondern als Gebote Gottes auflegten. Dieser Weisheit dankt Israel nicht an letzter Stelle seine Erhaltung durch die Jahrtausende von Druck und Verfolgung unsäglicher Art. Ihre günstigen Einwirkungen machen sich bis zur Stunde geltend. Das zeigen z. B. die Ergebnisse der ebenso gründlichen wie wissenschaftlich klaren und sachlichen Arbeit, in der Teilhaber die Sterblichkeit der Juden im Sinne eines Beitrages zur Würdigung der sozialhygienischen und biologischen Einflüsse behandelt. (Etwas mehr Sorglichkeit bei der Durchsicht der Tabellen usw. hätte den Wert der Teilhaberschen Arbeit wesentlich erhöht.) Dabei stellt sich heraus: „Die jüdische Sterblichkeit ist durchweg, in allen Ländern, zu allen Zeiten und in allen Verhältnissen bedeutend geringer als die der Aichtjud en." Teilhaber vermutet darin, neben den anderen auch von ihm voll anerkannten Einflußreihen, eine Art Rassenanlage. Ich möchte mich lieber Auerbach anschließen, wenn er sagt: „Die Juden zeigen in ihrer Sterblichkeit wohl eine scharf umrissene Rasseneigenart, aber diese ist eine psychologische. Stärkere elterliche Fürsorge, große Sorgfalt in der Erhaltung ihrer Gesundheit, Mäßigkeit im Genuß geistiger Getränke; infolge Häufiger Heiraten und festeren Familienlebens geringere Verbreitung der Geschlechtskrankheiten . . . ." Leider fehlt es nicht an Anzeichen dafür, daß in unserer Zeit diese gute alte Tradition nicht mehr so wirksam ist, wie man im Interesse des Judentums wünschen muß. Es gibt kaum ein Gebiet des öffentlichen oder des Familienlebens, dem Talmud und Thora nicht eine bis ins einzelne gehende hygienisierende Aufmerksamkeit zugewandt hätten. Einen breiten Raum nimmt die Kinderfürsorge und Jugendpflege ein. Schier modern mutet es an, wenn wir von Schwimmen und mancherlei körperlichen Hebungen zur Stärkung und Stählung des Körpers hören. Weiter sind da die den Seuchenschutz betreffenden Vorschriften zu erwähnen. Von einer erstaunlichen Umsicht zeugen neben den bekannten Verordnungen des Zehnten und des Jubeljahres die Bestimmungen, die das Armen- und Fremdenrecht zum Gegenstand haben. Auch eine Art von Bau- und Wohnungs-