Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Berlin / K.
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 264 (sequence 1)
- Language
- German
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264 Im deutschen Reich. Korrespondenzen» ** Berlin, 24. April. Der dritte Delegiertentag des Verbandes der jüdischen Iugendvereine findet am 11. und 12. Mai dieses Jahres in Frankfurt a. M. statt. Den Festvortrag am Begrüßungsabend hat Herr Rabbiner Dr. Werner-München übernommen, an dem Verhandlungstage werden Herr Rechtsanwalt Dr. Ludwig Holländer-Berlin über die „Berufswahl der jüdischen Jugend" und Fraulein Eora Berliner über die „Mädchenorganisation" sprechen. — Die von Alfons Szentesy herausgegebene deutsche Aebersetzung des Talmuds, die mehrfach selbst in von Juden herausgegebenen Blättern — wenn auch nur im Inseratenteil — als ,,ausklärendes" Werk empfohlen worden ist, wurde uns von zuverlässigen Autoritäten als ein völlig wertloses Machwerk bezeichnet. Danach hat Alfons Szentesy keine Ahnung von der Sprache des Talmuds; er kennt nicht einmal hebräisch; denn die Aebersetzung wimmelt von Fehlern, ja noch mehr von Fälschungen. Wenn er am Schluß bittet, ihn für die etwa in Rohlingschen Zitaten enthaltenen Anwahrheiten oder Fehler nicht verantwortlich zu machen, so wird er durch den Satz „Relata rettuli" keineswegs entschuldigt. Der durch christliche Talmudkenner, wie Wünsche, Noeldeke, Wellhausen, Strack u. a. m., längst gekennzeichnete Professor Rohling kann seit dem Prozeß ,,Bloch" selbst Laien nicht mehr als Autorität für das jüdische Schrifttum gelten. Wer sich auf Zitate solcher Autoritäten stützt, macht sich der Verbreitung von Fälschungen schuldig. Szentesys „Mohrenwäsche Rohlings" ist um'so unverzeihlicher, als gerade in Wien und Budapest die Tatsache nicht unbekannt ist, daß sich Rohling nicht nur am Judentum versündigt hat, sondern auch am Protestantismus, den er in seiner Schrift „Der Antichrist und das Ende der Welt" als Vandalismus bezeichnete und durch grobe Verunglimpfungen der Reformatoren, denen er jede persönliche Sittlichkeit absprach, beschimpfte. Danach kann man sich einen Begriff von dem Werte des angeblich „aufklärenden" Talmudwerkes Szentesys machen. — Für die Anwahrhaftigkeit mancher antisemitischen Blätter hat die „Deutsche Hochwacht" in ihrer Nummer 8 vom 23. Februar durch den aufreizenden Artikel „Paranoia chronica religiösa“ (Religiöse Verrücktheit) wieder einmal ein deutliches Zeugnis abgelegt. Sie berichtete nämlich: „Neuerdings ist wieder solch ein Fall von Blutentziehung vorgekommen, der sich gen au mit dem gerichtsnotorischen Fall Bern st ein- Breslau deckt. Die